Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 281 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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281 denn auch das Buch bei seinem Erscheinen nach Gebühr behandelt. So schreibt z. B. die orthodoxe Satnrday Review (vol. 88 p. 395) wörtlich: „Wir können uns der Ansicht nicht verschließen, daß die Jndenfrage in den Augen des Herrn White nur ein Gespenst ist, vor dein er sich bange macht. Die jüngsten Ereignisse in Frankreich haben uns gezeigt, daß der Antisemitisinns dort ein Produkt mittelalterlichen Fanatismus oder regelrechter Dummheit ist. Das Gleiche gilt für Rußland und einige andere kontinentale Länder. Was die Judenfrage in England anbetrifft, so spricht Herr White es ja selbst aus, wenn die Juden uns zu Grunde richten wurden, so hätten wir eben kein besseres Schicksal verdient. Angenommen nun, die Juden könnten ausgerottct werden, würde dann die Moral und der gute Glauben im öffentlichen Leben so sehr viel besser sein, als heute? Der skrupellose und eigennützige Jude hat in allen Ländern der Welt sein Gegenstück in dem skrupellosen und eigennützigen Christen und wir können die Besorgnisse Whites nur als ein Kompliment ansehen, das er der Überlegenheit und Tüchtigkeit der Juden hat machen wollen — Eigenschaften, die wir im Grunde bewundern müssen. Die Frage der Einwanderung mittelloser Juden in England ist thatsächlich ernster Natur, aber es ist dies keine spezifisch jüdische, sondern eine ökonomische Frage. Wenn die mittellosen Fremden, die zu uns herüberkommen, statt Juden Protestanten wären, so bliebe diese Frage gerade so bedeutungsvoll und ernst. Aber White hat sich unglücklicher Weise nicht die Mühe gegeben, darüber nachzudenken; ohne Zweifel weiß er recht viel über die Juden, aber er hat die Judenfrage nicht studirt und kein Leser wird in seinem Buch die erwartete Aufklärung finden, die Ausführungen des Verfassers können ihn nur verwirren." — In London fand die Hochzeit der einzigen Tochter von Lord Rothschild, Lady Evelina, mit dem Lieutenant Olive Behrens in der neue Westend- Synagoge statt. Die Feier trug einen ganz familiären Charakter, dennoch waren fast alle Spitzen der jüdischen Gemeinde Londons anwesend. Rev. Singer vollzog auf besonderen Wunsch der Braut die Trauung, während der Oberrabbiner den Segen hebräisch und englisch sprach. Der Brautvater spendete bei dieser Gelegenheit namhckfte Summen durch die United Synagogues und den Board of Guardians an die jüdischen Armen Londons. Besonders die Kinder der Jews Free School erhielten Gelegenheit zur Feier der Hochzeit, denn Lord Rothschild, der der Präsident der Schule ist, ließ alle 3400 Kinder auf seine Kosten in der Schule bewirten und jedem derselben in den unteren Klassen 1k Schilling, in den höheren l Schilling außerdem überreichen. Auch für das Amüsement der Kinder war reichlich gesorgt und dieselben werden noch lauge mit Vergnügen an die Hochzeit der Lady Rothschild denken. — Jüngst starb in Manchester im Alter.von 104 Jahren eine Frau, die drei Wochen zuvor mit einigen Urenkeln aus Rumänien dort angekommen war. Die Frau hieß Fairi Scheier Hirnbaum und hatte Rumänien verlassen, weil ihre Urenkel dort keine öffentliche Schule besuchen durften. Sie wurde tot im Bette gefunden. — Das Venedig benachbarte Städtchen Eividalc hat jüngst ein seltenes