Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 279 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Streitfragen des Tages galt, ist seine Schrift „Die Juden in England vom achten Jahrhundert bis zur Gegenwart, ein kulturgeschichtliches Bild", welche er i. I. 1890 erscheinen ließ. Wie schon der Titel verrät, kam es ihm weniger darauf an, Quellenstudien zu treiben und deren Ergebnis mitzuteilen, sondern, wie er im Vorwort es ausdrückt, um „Christen ein einheitliches, übersichtliches Gesamtbild von der Stellung der Juden in England von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart zu geben und zugleich, wen» auch mit schwachen Kräften, zur Entfernung der Reste alter, eingewurzelter Vorurteile gegen die Jude» deizutragen." Die Tendenz der Schrift ist mit diesen Worten treffend skizzirt. Diesem edlen Geiste ist der Dahingeschiedene durch sein ganzes Leben gefolgt: er wollte sein und war „ein Deutscher allemannischen Stammes, welcher auf der höheren Warte religiöser Toleranz und der Menschenrechte steht." — Die von der israelitischen Aultusgrmeinde in Wien im Musikvereinssaal einberufene, von 3000 Personen beuchte Versammlung beschloß, nach den Reden des Oberrabbiners Güdemann und des Advokaten Sieger, einstimmig nachstehende Resolution: „Durch die im Kuttenberger Gerichtssaale vom öffentlichen Ankläger in unverhüllter Form gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft erhobene Blutbeschuldigung ist unser altehrwürdiger Glaube in seinen Grundlehreu beschimpft, unsere Menschenwürde und bürgerliche Ehre besudelt worden. Im Gefühle tiefster Empörung erheben wir heute an dieser Stelle versammelten österreichischen Staatsbürger jüdischer Konfession lauten Protest gegen die uns angethane Schmach, die zugleich eine Erniedrigung der Wahrheit, Gerechtigkeit und Humanität und eine Erschütterung der Rechtsgrundlagen unseres geliebten Vaterlandes bedeutet. Gleichzeitig fordern wir als unser staatsbürgerliches und natürliches Recht, daß die Regierung durch volle Anwendung des Gesetzes solchen lügenhaften, barbarischen und fluchwürdigen Beschuldigungen entgentrete." — I» einer Wiener Tageszeitung erschien jüngst folgende Annonce: „Haufpathin. Für junge Dame adeliger angesehener jüdischer Fainilie wird nur hochstehende Persönlichkeit behufs Übertrittes zum katholischen Glauben wegen Mangels an Bekanntschaft in katholischen Kreisen auf diesem Wege gejucht. Geneigte Zuschriften unter „Seelenheil Nr. 91514" postlagernd 6. Bez., Gumpendorferstraße. Nur gegen Schein." — In Dudapest sind neulich zwei Christen im Alter von 25 bis 30 Jahren zum Judentum eingetreten. — Zu großen Ausschreitungen gegen die Juden kam es an vielen Orte» Böhmens und Mährens in Folge der Aufhebung der Sprachenordnung, so nainentlich in Hollescha«, woselbst drei christliche Plündrer von Gendarmen erschossen und mehr als zwanzig verwundet worden sind. Auch in Wsetin fanden große Ausschreitungen statt und mußte von der Waffe Gebrauch gemacht werden. — In Guns hat sich ein Comite gebildet, um dem dort gebürtigen Kaufmann Sernhard Schöntag welcher im Jahre 1848 sein Geschäft verließ und in die Nationalgarde eintrat, ein Denkmal zu errichten. Er verteidigte mit seltener Tapferkeit Guns gegen die Kroaten und wurde am 23. Juni 1848 kriegsgerichtlich hingerichtet. — Die Alliance israelite entsendet einen Delegirten