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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-12-01 · Heft 12 (1.12.1899) · p. Seite 278

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 12 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
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278 Als Kapitalisten aber haben die Juden weder in Nom noch in den hellenistischen Städten eine Rolle gespielt. Sie haben sich zwar in der Regel hier nicht als Landwirte ernährt (das thaten sie nur in Palästina selbst, in Babylonien und einigen anderen Gegenden Jnnerasiens), sondern überwiegend als Handwerker und Handeltreibende; aber wenn auch manche von ihnen zu behaglichem Wohlstand und auch zu Reichtum gelangten, so war doch, soviel wir ersehen können, im Ganzen ihre Stellung im Gewerbsleben keine glänzende oder gar dominirende, sondern eher eine gedrückte; der Großhandel und das Großgeldgeschäst wurde beherrscht durch die römischen Senatoren und Ritter und nächst diesen durch Griechen und Syrer. Eine Ausnahme machte das Ptolemäerreich in Egypten, in dem die Juden sich ganz besonderer Begünstigung seitens der Herrscher zu erfreuen hatten und sowohl als Handelsmänner wie als Steuerpächter zu bedeutendem Einfluß gelangten; dies Land wurde denn auch zur eigentlichen Heimat des Antisemitismus, und auch hier nur, nicht an anderen Orten, merken wir etwas von Nassenantipathie, für die außerhalb Egytens in dem Kosmopolitismus der helleuistischeu Reiche und des welterobernden Römerreichs keine Stelle war." — Der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am 6. Oktober seine erste Versammlung nach den Ferien ab. Nach einem einleitenden Vortrage des von Di'. Alexander Meyer über „Spinoza und Goethe " erstattete der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz, den Geschäftsbericht über die letzten Monate. Er streifte zunächst die beiden Prozesse in Rennes und Kuttenberg. In der Ausbeutung beider Fälle habe, so führte er aus, der Antisemitisnius seinen internationalen, anarchistischen Charakter bewiesen. Selbst das deutsche Vaterland und dessen Ehre werde preisgegeben, wenn man nur einen Juden verurteilen könne. Der Polnaer Mordprozeß sei durch die Verurteilung Hülsners keineslvegs erledigt, die Untersuchung werde fortgesetzt, und das Endresultat dieser Ritualmordgeschichte dürfte wohl kaum den Wünschen der Antisemiten entspreche». Angesichts der Zurückweisung jüdischer Schülerinnen sollten die Juden energischer anftreten und solche Institute, die, wie der vielerörterte Brief einer Schulvorsteherin im Westen beweist, jüdische Kinder nur unter der Bedingung aufnehmeu, wenn sie den christlichen Religionsunterricht besuchen, völlig meiden. Der Verein habe in letzter Zeit verschiedene Erfolge, so z. B. bei der Postverwaltung mit seiner Beschwerde über die Beförderung antisemitischer Postkarte», Entgegenkomuien gefunden. Die Mitgliederzahl sei besonders in der Provinz erheblich gestiegen, so daß dem Centralverein jetzt an 50000 deutsche Inden angehören. — Der am 21. September in Heidelberg verstorbene Prof. Di\ K. H. Schaible, ein alter Achtundvierziger ist bis in das hohe Greiseualter den Idealen seiner Jugend, der Gleichheit aller Menschen, wess' Glaubens und Standes immer, vor dem Staatsgesetze, stets treu geblieben. Ursprünglich Mediciner, gab er in England, >vo er Zuflucht fand, diesen Beruf zu Gunsten eines freien Schriststellertnms ans und war in diesem fast bis in seine letzten Lebenstage thätig. Eine Frucht dieser Thätigkeit, welche vorwiegend der Behandlung aller Zeit- und

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