Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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275 feier ihm das letzte Mal die Hand zum Abschiede reichen würden, wir konnten es nicht ahnen, als wir ihn damals an sein Haus geleiteten, daß wir ihm so bald das letzte Geleite geben werden, au das Haus des ewigen Friedens- Von dem teuren Heimgegangenen, der von seinem Vater, dem Seminar- und Gemeindelehrer Steinhard in Hildburghausen, einem mit Erfolg auf verschiedenen Gebieten schriftstellerisch thätigen Manne, welcher auch an den Reformbewegungen im Judentume in den sechziger Jahren sich beteiligte, die ersten nachhaltigen Anregungen zu allem Guten und Edlen empfangen, gilt das Wort der Schrift in dem dieswöchentlichen Thvraabschnitte (1 B. M. 25, 27): Er war ein schlichter, biederer, einfacher, bescheidener und anspruchsloser Mann, dem sein Haus, an der Seite seiner geliebten, jetzt so schwer heinigesuchten Gattin und unser Hans, die Schule, Stätten, die abseits von dem wogenden Getriebe des Lebens stehen, seine Welt gebildet haben, in der er den ganzen Reichtuni seines Geistes und die ganze Hoheit seines Wesens entfaltete, und was der gottbegnadete Maleachi (2, 6) in dem dieswvchentlichen Prophetenabschnitte von dem Lehrer der Weisheit sagt: Lehre der Wahrheit war in seinem Mnnde, Unrecht fand sich nicht auf seinen Lippen, in Frieden und Ehrlichkeit wandelte er umher, es gilt Zug um Zug von dem Verklärten, dessen lichtes Bild die Schatten des Todes und die Nacht des Grabes nicht zu verdunkle» vermögen. Ja Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, und Unrecht fand sich nicht auf seinen Lippen. Dr. Robert Steinhard war eine durch und durch ehrliche Natur, Wahrheit war der Grundzug seines Wesens, Gerechtigkeit seines Geistes Leuchte und Liebe seines Herzens Zier und alles Niedrige, Unrechte und Falsche war ihm stets so fremd und ferne geblieben, daß er es auch bei anderen nicht glaubte. Strenge gegen sich selbst, war er mild und liebevoll gegen andere, immer geneigt, an den Mitmenschen nur die Lichtseiten hervorzukehren und von ihren Schattenseiten sich abzuwende». Und so war er denn auch in seinem Berufe, dem er mehr als ein Vierteljahrhundert mit seltener Gewissenhaftigkeit und oft mit aufopfernder Selbstverleugnung Vorstand, stets gerecht und milde und hat sich so die Liebe seiner Schüler, denen er sich auch als Wvhlthäter durch Verabfolgung von Büchern erwies, und die Verehrung seiner Kollegen >u hohem Maaße erworben. Er gehörte zu jenen immer seltener iverdenden edlen sJintmen, die in selbstloser Weise stets das Wohl anderer im Auge haben, die lieber manches Unrecht leiden als auch nur ein Unrecht thun. Ja er wandelte in Frieden und Redlichkeit unter uns einher und hat durch sein Wirken und durch sein Vorbild viele zum Guten und Edlen angeregt. So ziehe denn heim, teurer verklärter Freund, begleitet von der Liebe Deiner Schüler, begleitet von der Verehrung Deiner Kollegen, begleitet von der Hochachtung aller, die Dich kannten. Du warst ein treuer Arbeiter auf dem Feld des Lebens und hast Dir ein unvergänglich Denkmal gesetzt in der Geschichte unserer Schule, in der Dein Name stets mit Ehre und Anerkennung genannt werden wird. Du aber, o Herr, sende Deinen Trost der gebeugten Gattin,