Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969878--5861-2975179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
270 Massen in Egypten dieselbe war, welche überall Sklaverei erzeugt hat, nämlich dies, daß eine Klasse alles Land besaß, auf und von welchem das ganze Volk leben mußte." Und mit der Umsicht des philosophischen Staatsmannes, welcher Gesetze nicht für das Bedürfnis eines Tages, sondern für die ganze Zukunft gibt, suchte er auf eine seiner Zeit und ihren Bedingungen angemessene Art gegen diesen Irrtum Vorsorge zu treffen. Nach Georges Ansicht sind die von Moses getroffenen Institutionen so trefflich, daß selbst die heutige Zeit ihm viel verdankt und viel von ihm lernen kann, vor allem aber, — und hierin können wir George bedingungslos zustimmen, sind sie einem der reinsten und edelsten Geister aller Zeiten entsprungen. Ein Muster von Tugend und Sittlichkeit, von Selbstvergessenheit und Uneigennützigkeit leuchtet dieser Mann Menschen und Völkern voran und würdig sei unsere Betrachtung über ihn mit Heu herrlichen Worten Henry Georges geschloffen: „Aus den Tiefen des Ungesehenen müssen solche Charaktere ihre Stärke schöpfen; aus Quellen, welche nur in reinen Herzen entspringen, muß ihre Weisheit fließen. Von Etwas, das wirklicher ist, als die Materie; von Etwas, das höher ist, als die Sterne; von einem Licht, welches dauern wird, wenn Sonnen erloschen sind; von einem Endzwecke, von dem die uns umgebende Welt nur eine vergängliche Form ist, — Davon erzählt uns ein solches Leben." Hlede an der Mahre der am 14. Oktober 1899 in Hamburg verstorbenen Frau Charlotte Embden-Heine, gehalten am 16. Oktober von Prediger Or. Leimdörser. Zu den bewegten Herzen einer so zahlreichen Trauergemeinde dringt wohl tiefer als das Wort des Seelsorgers die aus dem Herzen fließende Sprache dessen, der seit vielen Jahren das Glück empfand, ein Vertrauter der Seele zu sein, die sich hier anfschwang zu den Lichtsphären der Ewigkeit, der Seele der Frau Charlotte Embden-Heine. Weit über den Rahmen dieses vertrauten Familienheims, weit über das Weichbild unserer Vaterstadt, ja selbst über die Grenzpfähle des deutschen Vaterlandes hinaus, hatte dieser NaMe einen Ruhmesklang. Wenn wir sonst — insbesondere an den Mittwochen — in diesen freundlichen Hallen erschienen, da kam uns eine ehrwürdige Patriarchin voll von Anmut und herzgewinnendem, jugendlicheni Zauber entgegen, winkend mit der zarten Hand einer Freundin, uns einladend mit dem Glockenton ihrer Stimme zur Augenweide an ihrem leuchtenden, geistvollen Antlitz und zur erhebenden Zwiesprache der Seele. Und heute, am Tage ihrer Geburt, dem historischen 10. Oktober, dem Mittwoch, den wir als ihren 100. Geburtstag festlich zü begehen dachten, stehen wir da in Betrübnis und Demut vereint zum traurig-ernsten Totenamte.