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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-12-01 · Heft 12 (1.12.1899) · p. Seite 269

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 12 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 Für jüdische Kreise hat diese Schrift aber noch ein ganz besonderes Interesse. In ihr wird nämlich von Seiten Georges, eines Christen, der Gründer unserer Religion als ein Jdealmensch hingestellt, der seines Gleichen sucht, und ihm in so begeisterten Worten gehuldigt, wie meines Wissens bisher nur dem Gottmenschen Jesus Christus gehuldigt worden ist. Für Georges ist Moses „der Typus der großen Seelen, welche in jedem Zeitalter der Erde ihre Helden und Märtyrer gegeben haben." „Was ging ihn," fragt Georges, „das Wehklagen derer an, welche unter der heißen Sonne, unter der Geißel ihrer unbarmherzigen Herren sich mühten? 33m,' einer steinernen Halle oder von dem kühlen Zelte aus gehört, wurde es durch die Entfernung zu eintöniger Musik gedämpft." „Warum sollte er bei der Bitternis der Knechtschaft verweilen, er, für den die prächtigen Wagen bereit standen, der die hurtigen Rennpferde des Delta reiten oder den Fluß befahren konnte, während die Rüder zu den Gesängen den Takt schlugen?" In Sätzen, wie den zitierten schildert George, wie man sieht, in anschaulicher und phantasievoller Weise das Leben Moses in Egypten. — An anderen Stellen seiner Schrift schildert er die Zustände des damaligen Egyptens. An der Spitze stand ein Herr, der „Gott auf Erden" glich, den zunächst unter ihm Stehenden, — zu diesen gehörte Moses, — wurden alle sinnlichen und geistigen Freuden einer überaus glänzenden Kultur zu Teil. — „Aber für die Millionen, die die Basis der sozialen Pyramide bildeten, gab es nur die Geißel, um ihre Arbeit anzufeuern und die Anbetung der Tiere, um die Sehnsucht ihrer Seele zu befriedigen." — Dies war das Schicksal der Juden in Egypten, die zu der geknechteten Kaste gehörten. Und wer war der Helfer und Retter dieser geknechteten Juden? — Ein Jude, aber kein Knecht, — Moses war es, der königliche Günstling, der, — obwohl Jude, — der Herrscherkaste angehörte und in dieser egyptischen Herrscherkaste, jener Brutstätte des Individualismus, eine wunderbar tiefe Liebe zu den Menschen, Liebe für sein Volk sich bewahrt hatte. Er, dem als vornehmen Manne, die Knechtung der Unterdrückten, insbesondere der Juden zu Gute kam, er nahm sich ihrer an und machte es sich zur Lebensaufgabe, sein Volk zu befreien. Die moralische Größe und geniale Begabung, die zum Gelingen eines solchen Werkes erforderlich sind, besaß Moses von Natur; aber es gehörte mehr dazu: tiese Erfahrung und höchste Bildung,-und die erwarb er sich bei den vornehmen Egyptern. So mußten gerade die Unterdrücker seines Volkes zu seiner Befreiung dienen. Wer sieht hier nicht den Finger Gottes? Nicht genug bewundern kann George die politische Bedeutsamkeit und staatsmännische Weisheit Moses- Dies hat zum Teil allerdings seine Ursache darin, daß die staatsniännischen Maßnahmen, die Moses traf, insbesondere die Regelung der Grund- und Bodenverhältnisse dem „Sozialreformer" George in höchstem Maße sympathisch sind. „Moses sah," sagte George, „daß die wirkliche Ursache der Knechtung der

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