Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Ich will hiermit meine Betrachtungen über den genialen Lyriker Heine schließen, um mich dem grandiosen Satiriker Heine zuzuwenden. Denn eine Würdigung dessen, was er als Satiriker Unvergängliches geleistet hat, darf in keiner noch so summarischen Gesammtwürdigung seiner Person fehlen. Es bedarf wohl kaum der Erivähnug, daß der Druck des Judentums und die bittere Ironie darüber die Kraft des Spottes in Heine in so hohem Maaße wachgerufen haben, daß er wie als Lyriker nur mit Goethe, so als Satiriker nur mit Aristophanes verglichen werden kann. Mit Recht sagt Brandes: „So wenig formelle Berührungspunkte auch zwischen Heines lyrisch-satirischen Gedichten und Aristophanes großen phantastischen Schauspielen vorhanden sind, so ist es doch wahrscheinlich, daß seit den Tagen des griechischen Altertums niemand aufgetreten ist, der einen dem Aristophanes näher verwandten Witz besessen hätte, als Heinrich Heine." An einer anderen Stelle sagt Brandes: „Heine ist wahrscheinlich der witzigste Mensch, der je gelebt hat, zum mindesten der witzigste der Neuzeit. Allerdings wird Voltaire gewissermaßen als Personifikation des Witzes betrachtet, aber sein Wesen ist beständig und trocken, nicht dichterisch und anch kein Phantasiewitz wie derjenige Heines." Heine aber war eben in allem ei» Dichter durch und durch, ein Dichter von Jehovas Gnaden, unerschöpflich an Geist und unergründlich an Tiefe. Und dieser Dichter ist dem Judenstamme entsprossen, dessen echtes Kind er war und blieb und wenn am l3. Dezember die Völker der Erde seinen Genius feiern, können wir voll Stolz an unser klopfendes Herze schlagen und aller Welt es verkünden: „er war unser." G. H. Moses. Eine Schrift von Henry George. Henry George, der Führer der Bodenreformer hat in seiner im Verlag von I. Harrwitz in Berlin in deutscher Übersetzung zum Abdruck gebrachte» Vorlesung „Moses" ein Werk verfaßt, welches für denkende Juden ganz besonders Interesse hat und daher eine eingehendere Besprechung in einem Blatte, wie den „Monatsblättern" rechtfertigt. Man mag über die sozialen Verbesserungspläne Georges, die wie in seinen Hauptwerken, so auch in der vorliegenden kleinen Schrift, zu Tage treten, denke» wie man will, — so viel erkennt man auf den ersten Blick: diese Pläne sind einem tiefedlen Geiste entsprungen, der ansgestattet mit dem Rüstzeug großer Gelehrsamkeit mit ungewöhnlicher Schärfe und mit einer bei aller Sachlichkeit glutvoll-poetischen Sprache für sie eintritt.