Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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267 Ausdruck für des modernen Menschen gemischte Gefühle, für die Leiden des Gefühlslebens, welche das Resultat schmerzlicher Erfahrungen sind." Die ästhetisch-kritischen Bemerkungen, die in diesen citierten Brandesschen Sätzen enthalten, — sind von hohem. Werte. Dasselbe gilt von seinem ganzen Werke. Aus der Fülle des Schönen und Treffenden, das er unS bietet, rfeiett noch folgende Sätze entnommen, die Zeugnis für sein bedeutendes ästhetisches Urteil abgeben, vor allem aber auch ganz besonders geeignet sind, uns in die Tiefe Heine'scher Eigenart hineinblicken zu lassen und uns an einem einzelnen Beispiel zu zeigen, mit welch unendlicher künstlerischer Feinheit Heine gearbeitet hat: „Nichts liegt Heines Fähigkeiten ferner, als das folgende berühmte Gedicht Goethes °. Freudvoll und leidvoll, Gedankenvoll sein, Hangen und bangen In schwebender Pein, Himmelhoch jauchzend, Zum Tode betrübt u. s. w. Denn dies ist die Charakteristik eines Frauenherzens, dies das innere Leben der Liebe selbst, ihr Pulsieren und ihr Schwingen zwischen Seligkeit und Qual. Das Epigrammatische im Stil läßt schon ein solche Entfaltung des Gefühlslebens bei Heine zur Unmöglichkeit werden. Aber auch bei ihm findet sich dieselbe Verdichtung, wo eine Begebenheit erzählt wird. Es giebt in der Dichtkunst keine ähnliche Knappheit! — Wie sehr er durch äußerst knappe Angabe und Andeutung wirkt, dafür mögen folgende Strophen als Beispiel dienen: Es war ein al»er König, Sein Herz war schwer, sein Haupt war grau, Der arme alte König, Er nahm eine junge Frau. Es war ein schöner Page, Blond war sein Haupt, leicht war sein Sinn, Er trug die seidne Schleppe Der jungen Königin. Man achte auf die vorzügliche Wirkung der Umsetzung: „Blond war sein Haupt", es ist, als ob der Vers zu jubeln und zu tanzen beginne. Und nun der Schluß: Kennst du das alte Liedchen? Es klingt so süß, es klingt so trüb, Sie mußten beide sterben, Sie hatten sich viel zu lieb. Das ist bewunderungswürdig. Die Geschichte selbst aber erfährt man nicht, man errät sie etwa, wie diejenige des Sklaven und der Sultanstochter. Auch hier sind Liebe und Tod eng verbunden."