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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-12-01 · Heft 12 (1.12.1899) · p. Seite 266

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 12 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 enthält, der seit Spinoza der größte Jude, seit Goethe der größte Lyriker und seit Aristophanes wohl der größte Satiriker ist. Diese drei Momente betont auch Brandes in seinem Werke, welches in vollstem Maße den Lobspruch seines Verlegers verdient, daß seine Darstellung „geistreich, feinsinnig und vor allem auch objectiv" sei, und diese drei Momente will auch ich betonen in dieser kurzen Würdigung, die ich dem großen Genius ehrfurchtsvoll darbringe: — dem Genius, der dem jüdischen Stamme entsprossen. Ja Heinrich Heine war Jude — ob er sich auch hat taufen lassen. Denn er blieb Jude im Herzen und hat in späterer Zeit Reue und Scham genug über seine Jugendverirrung empfunden. Was ihn aber vor allem zum Juden machte, das war sein durch seine jüdische Stammes- und Blutsaugehörigkeit bedingter Charakter. Diesen Charakter konnte er beim besten Willen nicht wechseln, und dieser Charakter ist ein vollendet jüdischer —-in gutem und in schlimmem Sinne. Insbesondere war Heine als Künstler Jude und litt grenzenlos unter dem Druck des Judentums; und dieser Druck des Judentums, der auf ihm wuchtete, ließ seine Person und sein geniales Dichtertalent sich nicht zu voller Blüte entfalten. Heinrich Heine als Künstler ist weit entfernt von der Klarheit und Feinheit eines Goethe; noch viel weniger rinnt in seinen Adern das dionysische Blut eines Richard Wagner oder Friedrich Nitzsche. Alle Güter, die der vollentwickelte Höhenmensch sein eigen nennt, fehlen ihm. — Er hat im Grunde genommen weder Freiheit noch Jugend, weder Kraft noch Liebe in dem Maße etwa, wie Goethe und Wagner, — er hat nur Sehnsucht nach alledem, tiefe wunde Sehnsucht. — Diese Sehnsucht ist der Grundzug seines Wesens, und sie erwuchs ihm aus der ungeheuren Gedrücktheit des jüdischen Volkes und seiner eigenen Person. — In richtiger Würdigung des Umstands, daß die Sehnsucht der Grundzug von Heines Wesen ist, urteilt Brandes zutreffend: „Von den rein erotischen Gedichten sind — diejenigen die vorzüglichsten, welche Liebessehnen ausdrücken, sowie auch jene, welche die wehmütige Lösung eines Liebesverhältnisses zum Vorwurf haben." Ich möchte von den rein erotischen Gedichten ganz abgesehen vor allem auch jene Gedichte zu seinen hervorragendsten zählen, in denen er, ohne jedwede Cynismen feine tiefe jüdische Sehnsucht in die keusch-holden Formen des deutschen Volksliedes ergießt; ich meine insbesondere Gedichte wie „Loreley", „Wallfahrt nach Kevelar" und viele andere. — In richtiger Erkenntnis von Heines Dichtergröße hat Brandes ein ganzes Kapitel seines Werkes: „Heine und Goethe" betitelt, in dem er die beiden Genien mit einander vergleicht und als ebenbürtige Geister hinstellt, — eine Auffassung, die gewiß jeder unbefangene Mensch, der künstlerisches Verständnis hat, teilen wird. Auch wird man ohne weiteres das Urteil als richtig anerkennen, welches Brandes in folgenden Sätzen ausgesprochen hat: „Liegt — Goethes Stärke darin, gesunde und verhältnismäßig einfache und unvermischte Gefühle wiederzugeben, so besitzt Heine wiederum eine Stärke im

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