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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-11-01 · Heft 11 (1.11.1899) · p. Seite 257

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 11 (1.11.1899)
Date
1899-11-01
Page
Seite 257 (sequence 17)
Language
German
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257 „wenn Du willst, kannst Dn mich begleiten." — Natürlich war es niemandem ein i Geheimnis, daß Dreyfus ein Jude ist. Jedoch, daß er die Synagoge besuche, war mir neu und auffallend. Ich ging mit. Wir kamen in eine kleine Synagoge und fanden dort etwa 30 Juden — größtenteils arme Eingewanderte, die sich vor Er- - •: staunen kaum fassen konnten, zwei Offiziere in ihrer Mitte zu sehen. Dreyfus ging; auf den Küster zu und rannte ihm etwas ins Ohr. Dann begann das Gebet, vondem ich kein Wort verstand. Mit einem Mal sah ich Dreyfus zum Altar gehen und hörte ihn ei» hebräisches Gebet vortragen, worauf alle Anwesenden „Amen" sprachen. Als wir wieder draußen waren, sagte mir Dreyfus, er habe das Gebet zum Andenken an seinen verstorbenen Vater verrichtet, und daß er alljährlich an dessen Sterbetage in die Synagoge gehe. Von seiner verstorbenen Mutter sprechend, sagte er, er verehre sie fast wie sei» Vaterland". Diese Worte werde ich niemals vergessen. -- In Paris wurde ein Verein jüdischer Arbeiter gegründet, der den Namen führt: „Le Proletariat juif de France“. Der Verein ist sozialistisch, und hat auch zugleich den Kampf gegen die Antisemiten in sein Programm ausgenommen. — Der französische Senator Scheurer-Kestner ist, 66 Jahre alt, gestorben. Er w arder erste im Fall Dreyfus der für das gekränkte Recht stets seine Stimme erhob und seinen Einfluß geltend machte. Das Andenken des Gerechten bleibt gesegnet. — Jules Gnerin, der Antisemitenführer, in Paris, so berichtet die „Krakauer Reforma", ist in Krakau als Hochstapler erkannt, der vor mehr als 10 Jahren^ in Galizien Schwindeleien getrieben hat. Er kam 1897 nach Galizien und kaufte Namens der neu gegründeten „Societe Jules Guerin" in Paris vom Reichsrats-Abgeordneten Grafen Adam Strzynski Naphta-Terrains bei Libusza im Bezirk Neusandec für 300000 Franks. Guerin richtete sich im Gutshof Libusza sehr gut ein und bezog Möbel, Teppiche, Silbergeräthe durch Krakauer Kauflente auf Kredit. Als die Gläubiger dringend Zahlung verlangten, verschwand Gu6rin mit den unbezahlten Waaren. — Der Großrabbiner von . Frankreich, Herr Zadok Kahn, hielt kürzlich in Paris einen Vortrag über „Die Juden und das Friedensideal", der lebhaften Anklang fand und auch als Broschüre erscheint. — Die Ausgrabungen des deutschen archäologischen Instituts in Paris hat Kr. G. Kubensohn jetzt mit Erfolg beendet. Ebenso hat Kr. Ludwig Sorstjärdt bei den Ausgrabungen in Aegypten, speziell bei den fünf Pyramiden des alten Reiches, sich große Verdienste erworben, die für das neue ägyptische Wörterbuch, das die Universität Göttingen herausgeben wird, von entscheidender Wichtigkeit sind. — Zur Weltausstellung von 1900 bereitet die Sorbonne einen eigenartigen Kongreß vor; das Thema ist „Geschichte der Religionen," also kein Religionskougreß, wie auf der Weltausstellung in Chicago Nicht Priester, sondern Männer der Wissenschaft sollen die Geschichte der Religionen erörteren. Für die verschiedenen Kulte sind acht Abtheilungen vorgesehen 1. Barbarische Kulte, Amerika vor Columbus, 2. Aeußerster Orient, China.

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