Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Romancier Maurus Jokai hat jetzt noch einmal in seinem 75. Lebensjahre geheiratet, und zwar ein 20 jähriges jüdisches Mädchen, die Tochter des Maschinisten Moriz Groß in Audapest, die ihren Glauben nicht gewechselt hat. -- Den in dem ungarischen Dorf Igar wohnenden 3 jüdischen Familien wurde vom Ortsvorstand ein Stück des Gemeindegrundbesitzes als Friedhof angewiesen. ' Bei der ersten Beerdigung auf dem neuen Gottesacker hielt der reformierte Pfarrer die Grabrede. — Am 1. September starb in Haden der Wiener Architekt und Stadtbaumeister Adolf Goldenberg, ein Sohn des im Vorjahre verstorbenen Tarnopoler Gelehrten Berisch Goldenberg. — Die „Temesvarer Zeitung" veröffentlicht folgende interessante Reminiscenz ans dem Jahre 1849: M .... machte den Freiheitskrieg in den Jahren 1848/49 als Honvod Oberlieutenänt mit. Im Herbst des Jahres 1849» also genau vor 50 Jahren, stand M .... bei der Klapka'schen Armee in Komorn. Unter den Honvods, welche unter Klapka in Komorn standen, befanden sich sehr viele Honvods israelitischer Konfession. Ihre Zahl ging in die Hunderte. Die Oberste hatte mittelst Regimentsbefehles am Versöhnungstag die jüdischen Honvods dienstfrei gemacht, damit dieselben am höchsten jüdischen Feiertag den Gottesdienst besuchen können. In dem jüdischen Tempel waren ausschließlich für die Honvods zwei Stunden für eine» Gottesdienst reserviert worden. Als aber die Honvods en plein parade unter Führung mehrerer Offiziere, ebenfalls jüdischer Konfession, heranrückten, erwies sich der Tempel als zu klein, um auch nur die Hälfte der Honvods zu fassen. Zweimal den Gottesdienst abzuhalten ging nicht, da stellte der reformierte Seelsorger in Komorn den jüdischen Honvods die reformierte, weitaus größere Kirche zur Verfügung. Die Offiziere führten nun die Honvods in diese Kirche und hier in der reformierten Kirche wurde vor 50 Jahren durch einen jüdischen Seelsorger den jüdischen Honvods am Versöhnungstage ein Gottes dixnst celebriert. Demselben wohnten auch zahlreiche Mitglieder der reformierten Gemeinde, deren Seelsorger selbst und zahlreiche Offiziere bei. — In Ureßlmrg wurde eine Anstalt zur Heranbildung jüdischer Krankenpfleger und Pflegerinnen gebildet. — In Ungarn wurven vor dem Neujahrsfeste sechs neue Tempel eingeweiht, und zwar in Iglo, Barcstelep, Szolnok, Poprav, Temesvar und in Hermannstadt (Siebenbürgen). — Der Papst hat an das französische Episkopat eine Eneyklika gerichtet, in welcher er zum Frieden und Verträglichkeit ermahnt mit Hinweisung darauf, daß alle Menschen Gottes Kinder seien. Die Affaire Dreyfus ist nicht ausdrücklich. genannt, doch unterliegt es wohl keineni Zweifel, daß dieselbe die Ursache der erwähnten Veröffentlichung bildet. Ob das hoch anzuerkennende Vorgehen des Oberhauptes der katholischen Kirche dem Antisemitismus ein Ende machen wird, muß leider zweifelhaft erscheinen. — Die in Budapest erscheinende ungarische Wochenschrift „Magyar zsidö lietilpp“ veröffentlicht an leitender Stelle einen „Ozionismus — emberszei-etet“ (Zionismus — Menschenliebe) betitelten Artikel aus der Feder des römisch-katholischen Priesters nnd hauptstädtischen Katecheten Andreas Esöri. , In