Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Dem Architekten Alfred Kesser aus Berlin, der seinerzeit mit der Bauleitung der architektonischen Ausschmückung des Thronsaales im Palazzo Caffarelli zu Rom beauftragt war, wurde im Aufträge des Kaisers eine goldene Busennadel in Form des deutschen Reichsadlers mit Brillanten besetzt als Anerkennung seiner Leistlingen übermittelt. — Die in Wiesbaden erscheinende „Werkstatt" schreibt: Die Arbeitbedrängnis der Inden war nach 2. Buch, Kap. 1, V, 13 die Ursache für die Auswanderung aus Egypten. Der vornehnie, am egyptischen Hofe erzogene Moses kam nicht als unbedeutender Privatmann in die Provinz Gosen; er nahm dort vielmehr eine hervorragende Stellung ein, in welcher er, mit einem hohen Rechtssinn ausgestattet, der Willkür und den Erpressungen der egyptischen Beamten entgegen trat. Das ist in so nachdrücklicher Weise geschehen, daß er nach 2. Buch Kap. 2, V. 12 einen Egypter erschlug; und Moses wurde hiermit ein Märtyrer für mißhandelte und ausgebeutete Ziegelarbeiter (2. Buch, Kap. 5, V. 7-9). Die Bibel hat auch die Baarzahlung des Lohnes an die Arbeiter gesichert, indem sie vorschrieb, daß an jedem Tage vor Untergang der Sonne bezahlt lverden mußte (5. Buch, Kap. 24, B. 15). Wenn unsere Arbeiter anstatt der Hetzschriften der Agitatoren die fünf Bücher Moses lesen, dann finden sie eine Gesetzgebung von einer erstaunlichen Praxis, welche als Vorbild dienen sollte, von den z. Z. vorhandenen unfähigen Arbeiterführern nützliche Fortschritte zu fordern. Wir brauchen keine neuen Gesetze, wir können die uralte Staats-Ordnung, die in so großartiger Weise in den zehn Geboten niedergelegt ist, heut noch als maßgebend beibehalten, denn das sind die unabhängigen Grundlagen für die soziale Ordnung der Menschheit. — In die durch die überaus wohlthätige Baronin W. C. von Rothschild erbaute Kinderheilstätte in Had Manheim, die mit allen hygienischen Einrichtungen der Neuzeit reichlich ausgestattet ist, wurden in diesem Jahre bereits cirea 170 kranke Kinder, die sich aus allen Gegenden des deutschen Reiches remitierten, aufgenommen. Der Vorstand der Anstalt hat den Beschluß gefaßt, bis 300 Kinder während der Sommermonate aufzunehmen, sobald die Mittel zur Verpflegung bewilligt werden. In diesem Jahre wurde sogar auch die humane Einrichtung getroffen, daß Mädchen, welche durch anstrengende geschäftliche Arbeit in der Entwicklung gestört und zurückgeblieben sind, wenn sie auch das Maximalalter von 15 Jahren überschritten haben, verpflegt werden sollen und auch darin wurden schöne zufriedenstellende Resultate erzielt. — Mark Twain, der bekannte Schriftsteller, der sich mehrere Jahre in Wien aufgehalten hat und dort Gelegenheit fand, den Antisemitismus zu beobachten, hW über denselben in „Harpcß Magazine" eine Arbeit veröffentlicht. In dem Artikel analysiert er den Judenhaß und kommt zu dem Resultat, daß die vorherrschende Triebfeder desselben absolut der Konkurrenzneid sei und immer gewesen ist. Früher habe der Neid sich ein religiöses Mäntelchen nmgehängt, jetzt ein nationales, das sei der ganze Unterschied. Aber eben deshalb sei auch wenig Aussicht, daß der Haß gegen die Juden bald verschwinden werde. — Der berühmte ungarische