Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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durch seine Wohlthötigkeit in weiteren Kreisen der Bevölkerung einer außerordentlichen Hochachtung. — Herr Hermann Kahn in Frankfurt a. M. beging am 4. Oktober seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar ist ein Veteran aus dem Jahre 1848; er nahm an der freiheitlichen Bewegung des „tollen Jahres" lebhaften Anteil, machte im Jahre 1849 die Schlacht bei Waghänsel auf Seite der badischen Freiheitskämpfer mit und mußte eine Reihe von Jahren im Exil zubringen. Seit Ende der 1860er Jahre wohnt Hermann Kahn in Frankfurt als Chef einer großen Bankfirma. Im Jahre 1879 hat er die E. M. Kahn'sche Stipendienstiftung gegründet, die heute 70 Stipendiaten zählt. Auch sonst fehlt sein Name selten bei irgend einem Werke der Gemeinnützigkeit oder Wohlthätigkeit. — In Hamburg fand am 3. September die Einweihung der nenerbauteii Synagoge vor dem Dammthor statt. — In Khoden (Waldeck) steht rin altes, dem Fürsten gehörige Schloß, an dessen Südportal der hebräische Buchstabe „Schin" sechsmal angebracht ist. Man weiß, daß der Ort früher viel von Juden bewohnt wurde. Tie Bedeutung der Buchstaben ist in Dunkel gehüllt. — In einer der letzten Nummern der humoristischen Beilage des „Berl. Tageblatts" .(15. Sept) befindet sich ein Gedicht des Redakteurs Zig. Wehring, das in den weitesten Kreisen der katholischen Bevölkerung gerechte Entrüstung erregt hat. Mag die Zeitung die „feige That in Rennes" ausehen wie sie will, wenn sie im Anschluß daran die Einrichtung der Messe mit höhnischen Worten lächerlich macht, so verdient sie die schärfste Zurückweisung. Nur sollte die Presse wegen der Aeußernng eines sogar christlichen Schriftstellers, die er auf eigene Verantwortung gethan, nicht gleich über alle Juden herfallen, die eine solche Taktlosigkeit und solche die Gemüter verletzende Aeußerungen aufs allerentschiedenste mißbilligen. — Von Herrn G Lrvinstein in Gr. Lichterfelde ist eine Schrift: „Warum die Juden nicht Christen werden. Antwort auf den offenen Brief des Herrn Gebhardt" erschienen, in der der Ton tiefer Ueberzeuguug angeschlagen wird, zu dem sich Wärme des Empfindens gesellt. Diese Schrift zeigt uns wie stolz die Männer der Reform auf dem Boden des Judentums stehen, und wie tüchtig sie die Waffen im Kampfe zu führen im Stande sind. — Man schreibt uns: Der Di-J.-G.-B. ist bereits bei den höchsten Staatsbehörden gegen die seitens einiger Lokalverwaltungen beliebte Verlegung der Messen und Jahrmärkte auf hohe jüdische Feiertage vorstellig geworden. Von verschiedene» Seiten wird uns bemerkt, daß diese für zahlreiche jüdische Geschäftsleute so beschwerliche Auvrdiinng sehr häufig nur darauf beruht, daß den betreffenden Kommunalbehörden die Date» der jüdischen Feste nicht gegenwärtig sind. Wir bitten deshalb die verehrlichen Vorstände der jüdischen Gemeinden, dafür Sorge zu tragen, daß die Kommunalverwaltungen rechtzeitig und mit Hinweis auf die etwa einzuberaumenden Messen oder Jahrmärkte von den Daten unserer höchsten Feiertage unterrichtet werden. Wir sind überzeugt, daß in den weitaus meisten Fällen den religiösen Interessen unserer Glaubensgenossenschaft Rechnung getragen werden wird. —