Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Endlich giebt es in Ursa einen Abrahamsteich. Er ist der nördliche von den zwei dortigen Teichen. Seine Quelle bilden eine von den beiden Flüssen der Stadt, und zwar den ebenfalls im Süden befindlichen, an welchem eine Straße entlang führt. Der Abrahamsteich bildet nach Sackaus „Reise in Syrien und Mesopotamien" ein Rechteck, dessen Länge etwa 2'/s mal größer ist als die Breite. Auf der Nordseite bemerkt man einen Hof mit niedrigen maurischen Säulen, welcher zu der einstöckigen, zierlichen Moschee- Khalil Errahmün gehört. Im Westen liegt die mit der Moschee zusammenhängende Schule (die Medrese). Im Osten läuft eine Straße, im Süden, wo einst die berühmte christliche Lehranstalt gestanden haben soll, ein schmaler Weg am Teich entlang. Das Wasser wimmelt von Fischen. Diese gelten für heilig und dürfen nicht gegessen werden. Die Hanptquelle, die den Teich speist, soll sich am Nordrande neben einer im Garten der Moschee stehenden hohen Cypresse befinden. Wir können dem zuerst genannten Berichterstatter die Freude nachempfinden, mit welcher ihn der Besuch Urfas erfüllte. Es mag ein erhebendes Gefühl sein, da stehen zu dürfen, wo der Stammvater Israels das Licht der Welt erblickte und so lange lebte, bis er in das eine. Tagereise entfernte Haran übersiedelte. Monatsschau. In seiner Vaterstadt Pforzheim soll dem berühmten Gelehrten Johannes Keuchlin ein Denkmal errichtet werden. Reuchlin, der zu Anfang des 16. Jahrhunderts lebte, hat bekanntlich gegen Pfefferkorn und die anderen christlichen „Gelehrten", die gegen das jüdische Schrifttum zu Felde zogen, einen harten Kampf geführt und mit Erfolg deren Lehren als das gebrandmarkt, was sie in der That sind — Verdrehungen und Verdächtigungen. In unseren Tagen des Ritnalmord-Märchens tväre es auch Sache der Inden, durch Beteiligung an den Sammlungen zum Denkmal den Manen des großen Verteidigers von Wahrheit, Recht und Duldung den schuldigen Tribut zu entrichten. — Am 5. September starb in Mannheim Rabbiner Dr. Julius Fürst geb. im Jahre 1820 in Heidelberg. Durch sein „Glossarium graeco-hebraeum” ist er als ein tüchtiger Arbeiter ans dem Gebiete der talmudischen und midraschischen Litteratur bekannt geworden. Er schrieb auch über „das peinliche Rechtsverfahren im jüdischen Altertum" und arbeitete in seinem noch nicht veröffentlichten „König Saut" au einer Ehrenrettung dieses Helden. 1854 wurde er Rabbiner in Endingen, 1857 in Bayreuth und später in Mainz neben Dr. Cahn. Er beteiligte sich an der Synode in Augsburg und war Alterspräsident der Badischen Synode. Bei seiner Beerdigung am 7. September widmete ihm Herr Rabbiner Dr. Steckelmacher einen ehrenden Nachruf. — Der unglückliche Heinrich Heine, dessen 100. Geburtstag