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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-11-01 · Heft 11 (1.11.1899) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 11 (1.11.1899)
Date
1899-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Das Leben des Verblichenen bezeichnet und umfaßt einen inhaltsreichen, bedeutungsvollen Zeitraum der Geschichte Israels in diesem Jahrhunderte, und wird, obwohl es auch viel zu früh erloschen, doch bis in die späteste und fernste Zukunft, so lange auch nur noch die Kunde von unserer Lehre bestehen wird, von dem Strahlenglanze ehrenden Angedenkens umflossen sein. Der Verewigte gehört der Geschichte an, denn er hat an ihr mitgcschaffen und mitgearbeitet, er hat die Spuren seines Geistes ihr eingeprägt, hat mit sicherem Blicke, mit rüstiger That, mit klarbewußtem Streben, mit unerschrockener Beharrlichkeit in ihr wirres Getriebe eingegriffen und in Wissenschaft und Leben neue Richtungen gezeigt, höhere Bahnen geöffnet. Durch seinen umfassenden, in Klarheit und Hoheit thronenden Geist, durch seinen nach Vertiefung der Erkenntnis und Veredlung des Lebens hinstrebenden' Sinn, durch seine unsiegbare Liebe zur Wahrheit, durch seinen rastlosen Eifer in der Bekämpfung jedes Wahns und Irrtums wie in der Weiterführung jedes Fortschritts zum Besseren, ja durch seine reichen Geistesschätze und Seelengaben, durch die allseitige Vollendung feines Wesens wie seines Wissens, war er geradezu dafür berufen, ein großer Führer Israels zu werden, und wo es daher galt, einen Mann zu erwählen, der als eine Zierde und Ehre seines Stammes dastehen, der den anderen in Erleuchtung und Begeisterung, mit erweckender Lehre und mutvoller That vorangehen solle, da mußte der Blick der Suchenden zunächst auf ihn sich lenken, da konnte man mit voller Zuversicht von ihm dies erwarten. Ja wahrlich! Mit dem Auftreten Abraham Geigers beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Judentums. Es war zu der Zeit, in die seine Jugend, seine erste frühzeitig begonnene Thätigkeit fällt, selbst und gerade für denkende Menschen der Fortbestand des Judentums ernstlich in Frage gestellt und von vielen, teils offenkundigen, teils noch im Verborgenen ruhenden Gefahren bedroht. In dem Bewußtsein der Völker hatte sich ein Umschwung der Anschauung und des Strebens vollzogen, dem gegenüber das Herkömmliche nicht immer Stand halten konnte; die Riesenbauten des Mittelalters lagen als ein großer Trümmerhanfe da, bereit, von den Wogen des mächtig einherströmenden Zeitgeistes fortgeschwemmt zu werden. Es war allenthalben ein innerer Zwiespalt zwischen Denken und Glauben, zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen dem inneren Bewußtsein und dem äußeren Leben eingerisfen, und es konnte nicht ausbleiben, daß die Saat dieses Zwiespalt^auch auf dem Boden des Judentums, dessen geistiges Wesen durch die harten Hüllen, von denen es umwachsen war, nur Tieferblickenden sich offenbaren konnte, seine giftige Frucht hervorbringe. Viele, die die erhabenen Gedanken unserer Lehre nicht erkannten und sie nur nach der veralteten äußeren Gewandung, in der sie ihnen gegenüberstand, beurteilten, ließen von dem Schimmer jener schöngeistigen Bildung, die damals herrschend war, sich blenden und warteten nur auf die geringste Anregung, auf einen dazumal nicht selten sich darbietenden Anlaß, um die Lehre der Väter, der sie innerlich entfremdet waren, auch äußerlich wie eine lästige Bürde

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