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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-11-01 · Heft 11 (1.11.1899) · p. Seite 244

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 11 (1.11.1899)
Date
1899-11-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 -w j- ,rr^v Dem Könige Josijah, welcher das Buch des Bundes dem Volke vorlas^), möchte man in Würdigung des damit bekundeten Sinnes für die Geschichte der Glaubensgemeinde die Tendenz zuschreibei?): Ein Geschlecht kommt, ein Geschlecht geht, doch die Erde wird ewig bestehen. Doch glaube ich wohl, daß die Worte am Anfänge des Buches Koheleth^): „In der irdischen Welt (unter der Sonne) giebts keinen Lohn für Bemühungen" und die Schlußworte des Werkes*): „Fürchte Gott und beobachte die göttlichen Gesetze; denn Gottesfurcht und Pflichttreue bilden die Krone des Menschentums" Salomonischen Ursprungs sind. Durch diese beiden Tendenzen, welche die Anfangs- und Schlußglieder der Kette von Betrachtungen bilden, in denen der Epikureismus durch den Pessimismus besiegt wird, ward das Buch Koheleth, trotz der aus der Natur des Werkes erklärlichen Widersprüche, die es enthält, wert befunden, von den Männern der großen Synagoge in den biblischen Kanon ausgenommen zu werden^). Die Schlußworte des Buches Kohelethb) erinnern ganz besonders an das Gebet, welches der König David gesprochen hatte, als ihm der Herr den Bau des Tempels durch Salomon, den königlichen Sohn desselben verheißen hatte. Auch dieses Gebet klingt aus in der Sehnsucht nach dem Gött- ■ lichen im Menschentums. In späteren Zeiten konnte das Buch Koheleth den Pharisäern im Kampfe gegen die Sadducäer ganz besonders willkommen sein. Fanden doch, die Geistesaristokraten in der Nüstkammer des philosophischen Pessiinismus die Waffen, um die Optimalen der Geburts- und Rangstellung siegreich zu bekämpfen. Ist doch der Charakter höher zu stellen, als das durch die Salbung erlangte Priesterrecht^), die Sittenthat erzeugende Wissenschaft das Licht, welches in der Finsternis der Zeiten leuchtet^). Der Gesammtinhalt des Buches Koheleth aber wurzelt und gipfelt in der Tendenz, vom Gesichtspunkte des Pessimismus aus die Menschen als in den seltensten Fällen ihrer göttlichen Ebenbildlichkeit würdigt), das menschliche Dasein als leidvoll und qualvoll"), den Lohn des Guten auf Erden als verkümmert"), alles Ver-. gänzliche als nichtig, als „Eitelkeit der Eitelkeiten")" erscheinen zu lassen. Nur m dem ewigen über allem Wechsel kreisenden Geiste"), in der wahren Gerechtigkeit, die der Herr von seinem Richterstuhle aus stiftet"), liegt allein das Heil, welches über irdische Schranken erhebet, erlöset zum göttlichen Gedanken. Im Lichte des ethischen Pessimismus aber betrachtet, zerstieben alle Trugbilder der epikureistischen Welt. Nur in der lebendigen und innigen Gemeinschaft mit dem göttlichen Geiste liegt die Ehre, das Heil und die Krone des Menschentums. Dr. S. Nascher. l) II. Könige 23, 1—4. -j Eccles 1, 4. 3) Eccles. 1, 3. i) Ecoles. 12, 1$ Traktat Sabbath 30». °) Eccles 12, 13 7) II. Samuel 7 19. 3; Eccles 7, 1. ») Eccles. 1.. 13 u. 14. 10) Eccles. 7, 28 u. 3, 19 u; Eccles. 5, 16. n) Eccles. 4, 1 u. 2. 13j Eccles 1, 2 n. 12, 8. “) Eccles. I, 6. 13) Eccles. 11, 9 u. 3, 17.

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