Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969877--5833-2975150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Buch Koheleth ist, nach meinem Dafürhalten, eine Sammlung von wissenschaftlichen Vorträgen, welche nach dem Muster des großen Staatsoberhauptes Moses, der seinen theologischpolitischen Ti aktat im Deuteronomium in Form von Redens dargelegt hatte, ethische, natur- und religionsphilosophische Reflexionen enthalten. Es sollten die aus den Quellen der heiligen Schrift gewonnenen Lehren dem Throne der Könige aus dem Hause David die Lichtsäulen bieten2). Das Buch Koheleth, welches, nach dem Zeugnisse des Talmud"), von Hiskiah und den Zeitgenosseu desselben angelegt ward, enthält in seiner gegenwärtigen Fassung nur die Texte und nicht die dieselben bearbeitenden Vorträge der jüdischen Könige, welche unter der Flage des großen Namens des großen und weisen Königs Salomon in Jerusalem lehrten und Söhne und Abkömmlinge des Königs David's waren^). Die Einteilung des Buches ergiebt sich aus den in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Gelegenheiten behandelten Thematen"). Vom Inhalte der Sentenzen, welche abwechselnd epikureistischer und im widerlegenden Sinne überwiegend pessimistischer Tendenz sind, läßt sich auf den Geist und die Gesinnung der königlichen Verfasser schließen. Die Sprüche sind die Denkmitnzen der geistigen Schöpfung jüdischer Könige ans dem Hause David. Beispielsweise würde der Ausspruch"): „Es ist besser ein weises Kind in Dürftigkeit, als ein alter Fürst voll Thorheit zu lein" dem Könige Jvasch zuzuschreiben sein, der als Kind durch den hohen Priester Jehojadah zum Thron erhoben wurdet. Von dem Gebete zu folgern, welches der König Hiskiah, dem auf der Sonnenuhr ein Zeichen gegeben ward, nach seiner Genesung verrichtet hatte"), würde die von bedeutender Naturschau zeugende Gleichnißrede: die Sonne geht auf, die Sonne geht nieder und in jeglicher Örtlichkeit erstrahlt sie auf der Mittagshöhe"), der Feder des Königs Hiskiah erflossen sein. Dem Könige Hiskiah möchte auch während der Zeit harter Bedrängniß durch die Assyrer die Anrufung des Weltgerichtes der Weltgeschichte'") zuzuschreiben sein. Vielleicht ist das Gleichniß von dem armen Manne, dessen Weisheit eine von mächtigen Heeren belagerte Stadt gerettet hatte") gleichfalls auf die Zeit des Krieges mit Assyrien zurückzuführen und unter dein armen Manne Jesajah von Hiskiah verstanden worden'"). Währendder schweren Krankheit mochte sich der König Hiskiah mit dem Gedanken getröstet haben'"), daß ein guter Name besser sei, als gutes Oel; da der Charakter das Grab überdauert, folglich höher steht als das Recht, für welches der Mensch geboren ist. Der König Hiskiah mochte auch auf das Schlußwerk seiner Regierung, die Anlegung einer Wasserleitung von Außen her in's Innere der Stadt") geblickt haben. Auf diese Veranstaltung möchte denn auch der Spruch"), angewandt worden sein: Schicke dein Brod über's Wasser, im Laufe der Zeit findest du es wieder. y Deuter. I., 1. aj Deut r. 17, 20. 8) Baba bathra 15». *) Eccles. I., 1. °- Ecclös. 3, 210. «) Eccles 4, 13. -) II. Könige II, 12. °) Jesajah 38, 9-12. °) Ecclcs. t, :>• t0) Eccles. 3,16 u. 17. ui Eccl s. 9, 14-16. Ia) II. Könige 19, 20 35. ") Eccles. 7, 1. II. Könige 20, 20. -°) Ecclei. 11, 1.