Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Tiefen des Ideals gewonnen, um Himmlisches mit Irdischem zu verbinden, hat die Kunst ihre moralische Wirkung eingebüßt. Wird endlich die Religion als der Jn-! begriff sittlicher Wahrheit und wahrer Sittlichkeit zum Mittel materieller Zwecke herabgedrückt, so daß an Stelle der Auserwähltheit und Begnadung im Herr» das materielle Interesse maßgebend wird, so wird die Religion zum Hebel der Moral entgegengesetzter, äußerlichen und irdischen Zwecken dienlicher Bestrebungen. Eine Religion ohne sittlichen Ausgangs- und Zielpunkt aber entbehrt der Lebensbedingung. Wie die Priester des Ideals, die edlen Denker und Dichter der Nation für die Heiligung des Altars der Wissenschaft und Kunst in unserer Zeit geeifert hatten,; um die Flammen des göttlichen Gedankens auf diesem Altar zu unauslöschlicher Glut anzufachew. so haben jdie Propheten aus alter Zeit gegen die Culte der Unsittlichkeit*) so laut und mächtig geredet, daß sie durch ihr mit Flammenzungen verkündetes Wort unsterblich geworden sind. Gleichwohl führte die Vergötterung der Materie in der Religion zum Götzendienste, in der Wissenschaft zum Epikureismus. Dieser bedingte jenen. Es erklärt sich so das Streben Rabbi Eleasar's^) durch Hingabe an den Sittengeist der göttlichen Wissenschaft die das Sündige an Stelle des Sittlichen setzenden Epikureer zu entwaffnen, welche dem Geiste die reele Existenz abgesprochen und die Abhängigkeit desselben von der Materie gefordert hatten. Der Epikureismus des Altertums hatte mit dem Materialismus der Neuzeit nicht die Sittlichkeit, wohl aber die Religionslosigkeit gemein, unterwühlte die sittliche Weltordnung und erhob die Materie zu einer Allmacht, welcher Leben und Lebensgut zum Opfer gebracht wurden: So lehrt's die Tragödie der Geschichte des jüdischen Volkes. Kein Wunder ist's daher, wenn die götzendienerischen Epikureer, nach dem Talmuds der Schonung, Duldung und Liebe entrieten, und der lichtvolle Moses Maimonides*) die Verfolgung derselben nicht für unstatthaft erklärte. Hatten doch diese Götzendiener unter den Juden die Existenz der auf der Grundlage des Gottesglaubens begründeten Glaubensgemeinschaft gar arg gefährdet und unterwühlt. Hatte doch die Beseitigung der Begnadeten im jüdischen Volke, um auf den Trümmern des Lebens derselben die eigenen irdischen Lebensbedingungen zu begründen und zu erhöhen, zum Moloch-Cultus, die Schändung der Blüte der weiblichen Jugend, um im Dienste materieller Zwecke die Sittlichkeit zu Gunsten schrankenlosester Sinnlichkeit zu opfern, zum Astarte-Cultus geführt im Zeitalter der Könige des jüdischen Reichs?). Nun, der Epikureismus hat den Moloch- und Astarte-Cultus in ein wissenschaftliches System gebracht. Der letztere erlangte durch den ersteren Methode. Nur die pessimistische Philosophie konnte den Epikureismus entwurzeln. Sie bildet den Inhalt des Buches Koheleth. ') Jesaja 3,20 u. 21, Irrem. 3,6, Ezech 6,13, «. 7,19. * 2 3) Sprüche der Väter 2,11. ®) AboJah sarah 26b. 4jlad hachsakah, H. Rozeaeh usebmiratb honefesch 4,10. *) 11 Könige 3 ', 6 u. 7.