Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 234 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969876--5823-2975139- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
234 Oberstabsarzt Dr. Jakob Müller in Gedenlmrg den ungarischen Adel mit dem Prädikat „äo Retfalu“ verliehen. — Baronin Charlotte Freiin von Kb'nigswartcr, geborene von Wertheimstein in Wien wurde vom Kaiser der Elisabethorden II. Classe verliehen. — In der Einweihungsrede des Tempels zu Simmering erzählte Herr Oberrabbiner Dr. Schmied! folgende kleine Geschichte: Vor l 60 Jahren lag in einem böhmischen Orte ein jüdischer Vater schwer krank darnieder und in dieser Zeit gelobte derselbe im Falle seiner Genesung — an welche er leider zweifelte — seinen Sohn Gott zu opfern, gleich Abraham, der seinen einzigen Sohn Gott zum Opfer darbringen wollte. Der allgütige Gott ließ ihn genesen und der Mann wollte seinem Gelübde Nachkommen. Da riet man ihm sich an den damaligen berühmten Rabbiner Ezechiel Landau in Prag zu wenden und als demselben der betrübte Vater sein Vorhaben vortrug, da sagte der Rabbiner: Wenn Dn Deinen Sohn opfern willst, dann gebe ihn zum Militär, fällt er als Vertheidiger des Vaterlandes, so bist Du Deines Schwures ledig. Nun war es in der damaligen Zeit keinem Inden erlaubt Soldat zu werden und der fromme Vater wendete sich an den erhabenen großen Kaiser Josef den Zweiten mit der Bitte, um Aufnahme seines Sohnes zum Militär. Der edle Kaiser willfahrte nicht nur der Bitte des Vaters, sondern gab zu, daß alle jüdischen Söhne ihrem Kaiser dienen dürfen. Bald nach dieser Zeit erfuhr man, daß der Sohn in einem Gefechte bei Munkacs gefallen sei. — Der 11 jährige Wunder- und Wander-Maggid Abraham Jsak Goldberg ans Drest (Litthauen), welcher in Wilna, Riga, Lemberg und Brody bereits 23 Deraschoth hielt, hat auch in Wien im Vereine „Liwiath Chen" und in der „Chassidim-Klause" am Werd unter großem Beifalle sich hören lassen. Der seinem Alter entsprechend kleine Knabe zeigt frische, sympathische Züge, doch erscheint er ziemlich frühreif und seine scharfblickenden Augen verraten eine» klugen Kopf — der noch etwas Tüchtiges in seinem Fache leisten wird, wenn er von wohlwollenden Glaubensgenossen in die rechte Bahn gelenkt wird. Phänomenal ist die Kraft des Gedächtnisses, vermöge dessen er sich in Bibel, Talmud und Midraschim recht gut bewandert zeigt und auch in der Logischen Conception bewährt sich philosophische Anlage und wchr besonders staunüngswert die physische und psychische Ausdauer, die er in dem fast 11/2 Stunden währenden Vortrage bekundete, theils recitirend,. theilweise in singender Weise, wie es in Rußland üblich ist, wohl im reinen Jargon, doch bei einiger Aufmerksamkeit nicht schwer verständlich. Rühmenswert ist die an den Tag gelegte Pietät für die Eltern — der Vater ist in seiner Begleitung — und die hingebungsvolle Liebe zu seinem Volke, dem er Einigkeit und Brüderlichkeit nicht müde wird zu predigen. — In Znaim wurde Herr Rabbiner Dr. I. Kaha», aus Waidhofen a. d. Thaia, zum Rabbiner gewählt. — Der sechste Jahresbericht der Israelitisch theologischen Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1898 — 99 ist erschienen. Demselben geht eine Studie des Professor Dr. Adolf Stichler über „die Tobiaden und Oniaden" voraus. Dem Berichte des Curatoriums entnehmen wir, daß die Frage der Er-