Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Lot beschäftigen, in dem neu erschienenen 3. Band will Stucken den Nachweis führen, daß Jakob und — David dieselbe Gestalt sind. Hierzu wird erstlich das „Verweigerungs-Motiv" herangezogen, das sich auch in der Perseus- und Wieland- Sage findet. Stucken citirt hierfür 1. Buch Samuel 17, 25 und 1. Buch Samuel 18, 19, welchen Stellen die Verweigerung der Rahel au Jakvb parallel gehen soll. Das zweite Motiv ist das der unbegründeten Eifersucht (Potiphar-Motiv), das Stücken in folgenden Sagen nachweist 1. In der Jakob-Sage bei Joseph, 2. im ägyptischen Brüdermärchen, 3. in der Theseus-Sage (Phaedra verklagt ihren Stiefsohn bei seinem Vater, indem sie ihni das Verbrechen zuschreibt, das sie selbst begangen.) Im Nimrod-Epos. Hier handelt Jstar wie Potiphars Weib. Stucken ist groß im Aufsuchen solcher Parallelstellen. So will er Nachweisen, daß die Stelle Josua 10, 2 eine Parallele findet in der griechischen Thyestes- und Atreus-Erzählung, auch im Rigweda soll sich das gleiche Motiv finden. — In Krieg wurde die Feier des hundertjährige» Bestehens der dortigen Synagoge begangen. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Kosenthal aus Breslau. -- In Kerlin hat sich eine „Vereinigte Pensions-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit" gebildet, deren Tendenz darin besteht, älteren Männern und Frauen guten Mittelstandes ein trautes, angenehmes Heim zu bereiten und gute bürgerliche rituelle Kost und Wohnung bestmöglichst zu beschaffen. Das Eintrittsgeld eines Mitgliedes beträgt 3 Mark. Die Preise monatlich zwischen 62 — 75 Mark, je nach dem Zimmer. — Der in Köln jüngst verstorbene Weihbischof Dr. Schmitz hat wiederholt seine Toleranz bekundet. Während der Tantener Affaire hat er als Opferpfarrer von Krefeld mit Bereitwilligkeit zum Schutze der bedrohten Juden wesentliche Dienste geleistet und zur.Aufklärung und Beruhigung der Gemüter beigetragen. — In Kerlin fand in feierlicher Weise die Einweihung der in der Luisenstraße 3 neuerbauten Synagoge der Gemeinde des Israelitischen Religionsvereins der Oranienburger Vorstadt „Ohel Jizchak" statt. — Das Kuratorium des Berliner Rabbiner-Seminars hat an Stelle des verstorbenen Dr. I. Hildesheimer Herrn Dr. D. Hofmann zum Direktor gewählt. — Der bekannte Dermatologe, Sanitätsrat Dr. Herrheimer aus Frankfurt a. W. ein Neffe des sel. Landrabbiuers Dr. Herxheimer in Bernburg, ist in Tirol plötzlich am Herzschlag gestorben. — Neue Ausgrabungen in Judäa hat der englische Verein für die Erforschung von Palästina vornehmen lassen. Durch einen türkischen Firma» wurde ein 10 qkm großes Terrain für Ausgrabungen freigegeben, das, an der Grenze des Philisterlandes auf dem Wege von Askalon nach Jerusalem gelegen bei Tell-Judeideh, Tell-es-Safie und Tell-Zakarie vielversprechende Orte umfaßte. Die Herren Dr. Büß und Macalifter haben am 26. Oktober 1898 bei letzgenanntem Orte die Ausgrabungen begonnen. Sie fanden dort einen isolirten Hügel, der sich plötzlich 100 m über dem Thale von Elah erhebt, welches sich bei Tell-es-Safie in der Ebene verliert. Auf dem sehr breiten Gipfel dieses Hügels entdeckte Dr. Bliß bald die Wälle einer alten Befestigung, an welche in späterer Zeit sechs Thürme