Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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224 „Durch jene innere Stimme wurde niemals der leiseste Zweifel oder die geringste Besorgniß über die Wirklichkeit eines zukünftigen Lebens in mir hervor rufen, oder auch nur zugelasfen. Wenn überall in der Welt ununterbrochene Fortdauer herrscht, warum sollte es denn nur bei uns einen gewaltsamen Ruck und Vernichtung geben? Es >vird sein, wie es gewesen ist — das ist die Lehre, die uns die Natur erteilt: wie es sein wird, das uns wissen zu lassen, ist nicht beabsichtigt. Es giebt ein sehr altes, griechisches Sprichwort, das den Sinn hat: Zu wissen suchen, was die Götter uns nicht sagen wollten, ist nicht Frömmigkeit. Wenn Gott wünschte, daß wir wüßten, was sein wird, würde er es uns sagen. Darwin hat uns gezeigt, daß ununterbrochene Fortdauer von Anfang bis zu Ende herrscht." „Ununterbrochene Fortdauer der Persönlichkeit?" „Wenn sie mit Persönlichkeit einen Menschen meinen, der englisch spricht und eine weiße Halsbinde trägt, so zweifle ich daran; wenn sie Bewußtsein vom eignen Selbst meinen, so sehe ich nicht, wie sie ununterbrochene Fortdauer ohne dasselbe haben können. Ein Dasein, welches sich nicht kennt, würde sofort aufhören zu sein." „Es ist die Möglichkeit vorhanden, daß das besondere Sein in der Gesammtsumme des Seins aufgeht, welches, als ein Ganzes, sich seiner selbst bewußt sein könnte. .Aber natürlich, in jenem Falle würde die Persönlichkeit, wie wir sie verstehen, verloren gehen?" „Ich glaube an die Fortdauer des Selbst. Wenn es eine Vernichtung oder eine vollständige Veränderung unseres besonderen Selbstbewußtseins gäbe, so könnten wir jemand anders werden, aber wir würden nicht wir selbst sein. Persönlich habe ich keinen Zweifel an dem Beharren des Jndividiums nach dem Tode, wie wir es nennen. Ich kann es mir nicht denken, daß gerade die Krone und Blüte der Schöpfung von ihrem Urheber zerstört werden sollte. Ich sage nicht, daß es unmöglich ist; es steht uns nicht zu, ja oder nein zu sagen, wir haben einfach zu vertrauen, aber jenes Vertrauen oder jener Glaube ist uns eingepflanzt und wird durch alles um uns her bestärkt."- „Ich schließe aus dem, was Sie gesagt haben, daß Sie nicht an die „übernatürliche" Entstehung und Grundlage des Christentums glauben?" „Alles in dieser Welt ist übernatürlich. Wenn wir erwägen, wie wir hierherkamen, was wir sind, wozu wir bestimmt sind, so ist sicherlich genug da, über das man erstaunen und das man wunderbar nennen kann. Warum sollten wir nach kleinen Wundern verlangen? Die mira, die wirklichen Wunder, sind immer da, aber wir sehen sie nicht; daher machen wir für uns selbst kleine Wunder."- „Ich habe immer daran festgehalten, daß es ein elendes Weltall sein würde ohne ewige Vergeltung. Jede That gut oder böse, muß ihre Folgen mit sich bringen und die Thatsache, daß unsere Vergeltung für immer dauern wird, scheint mir ein