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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-10-01 · Heft 10 (1.10.1899) · p. Seite 222

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 10 (1.10.1899)
Date
1899-10-01
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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Ideal, und „für ein Ideal, das man anbetet," sagt Ben Akiba der Jüngere selbst, „kann man wohl Opfer, selbst das des Lebens bringen." Ben Akiba des Jüngeren Broschüre hat übrigens von Seiten eines Berliner Universitätsprofessors eine Kritik erfahren, die so gerecht und treffend ist, daß wir sie hier wiedergeben wollen: „-so möchte ich davor warnen, dem Deutschtum allzusehr die Ehre zu geben: denn in dem deutschnationalen Wesen ist jetzt ebenso große Unduldsamkeit und sittliche Entartung enthalten, wie in dem orthodoxesten Christentum. Ich bin allerdings der Ansicht, daß das Judentum gut thut, sich den bürgerlichen Einrichtungen der Staaten, in denen es lebt, vollständig einzuordnen, also seinen besonderen Feiertag, seine besonderen Ritualia beim Schlachten der Tiere aufzugeben, ohne deshalb auch nur die leiseste Einbuße an seiner Treue gegen das Wesen des alten Glaubens zu erleiden, aber national im enthusiastischen Sinne soll das Judentum nicht werden; denn es ist durch seine Geschichte und durch seinen ethischen Genius dazu berufen, ein Bindeglied der verschiedenen nationalen Kulturen und selber eine große internationale Kulturmacht zu sein. Ein Judentum, welches sich der widerwärtigen nationalen Überhebung des deutschen Wesens über andere Nationen anschließt, würde nach meiner Ansicht nur die Elemente stärken, von denen es selber in der schmählichsten Weise verkannt und betrogen wird." Das sind kernige, herrliche Worte! Mochten doch nur recht viele Juden ähnlich sprechen und denken. Zu unserer Freude können wir zum Schlüsse ans eine von England ausgehende Bewegung, an deren Spitze Männer wie Mr. Oswald Simon, Israel Zangwill, Gollancz, Claude Montefiore und andere stehen, Hinweisen, die diesem unserem Wunsche in ziemlich hohem Maße entspricht und zu der wir uns im allgemeinen sympathisch stellen. Wir führen zur Charakterisirung dieser Bewegung Folgendes an: Der Plan ist, einen öffentlichen Gottesdienst zu schaffen, der allen freisinnigen Juden, die sich von der orthodoxen Richtung getrennt haben, oder die Rabbinatstraditionen verwerfen, genehm ist. Viele dieser Juden gehören schon der jüdischen Reformgemeinde an, aber man empfindet, daß das Ritual und das Ceremoniell dieser nicht weitgenug gefaßt sind, um die sehr verschiedenen Ansichten über religiöse Dinge, wie sie unter den gebildeteren Mitgliedern der Gemeinde bestehen, zu begreifen. Der neuen Bewegung sollen sich sogar Nichtjuden anschließen können. Bedingung ist, daß sie Monotheisten sind. Hinsichtlich des Gottesdienstes soll von gleichlautenden Gebeten abgesehen und die besonderen Formen jüdischen Ceremoniells abgeschafft werden. Der Gottesdienst wird hauptsächlich in englischer Sprache abgehalten, Frauen und Männer werden wie in Kirchen anderer Konfessionen zusammensitzen, und die Herren werden nicht, wie in der Synagoge, den Hut aufbehalten. Hauptsache aber ist, daß der Gottesdienst wie jeder anderes am Sonntag stattfindet.

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