Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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... — 221 — Einen Stillstand giebt es nicht mehr in der Culturentwicklnng. In der Zukunft dürfte es sich entweder um eine deutsch-nationale oder jüdisch-nationale Richtung nur noch handeln; eine mittlere wird geringe Aussicht nicht sowohl auf Daseinsmöglichkeit, als Daseinswürdigkeit haben. Der durch den Antisemitismus zunächst in außerdeutschen Ländern geförderte Zionismus wird gerade der deutsch-nationalen Richtung unter uns um so förderlicher sein, — und dies ist sein Gutes. Was hindert uns denn noch an dem Austritt? Die jüdische Religion fesselt uns doch nicht mehr an ihre Bekenner; ihre Botschaft hören wir zuweilen, allein uns fehlt der Glaube, die Worte zünden nicht, das Leben selbst widerspricht ihnen. Wer glaubt wohl noch der Predigt von der Erwählung Israels? Welcher wahrhaftig Gebildete darf es, welcher Denker kann es glauben? Nun, Die Christen sehen in uns Verbannte und Vaterlandslose, vom Zorn Gottes in allen Landen zerstreut, an allen Enden heimgesucht." — — — „Durch einen massenhaften Austritt aus unserer schon so lockeren Religionsgemeinschaft würden wir aller Welt den Willen bekunden, ohne Vorbehalt im deutschen Lolksganzen aufzugehen."- „Wer-das „Höre Israel" nicht mehr mit gläubiger Inbrunst betet, ist kein Sohn jenes „Gotteskämpfers" mehr; und es ist ebenso inkonsequent wie verhängnisvoll, als Gottesleugner — Israels doppelt unglücklichen Samen und Namen noch immer rein fortpflanzen zu wollen. Für ein Ideal, das man anbetet, kann man wohl Opfer, selbst das des Lebens bringen, einem Idol aber das blühende Leben opfern, — c’est plus cl’un crime, c’est une sottisse.“ Ja, — wer nun aber kein Gottesleugner ist?-Wem die jüdische Religion, durch emsige Reformthätigkeit von allen ihren Schlacken gereinigt, als das hehre, das leuchtende Ideal erscheint? Die Zahl dieser Männer und Frauen ist Gott sei Dank nicht gering und i» stetem Wachsen begriffen. — Und wer wollte leugnen, daß gerade sie und nur sie wirklich nicht nur als Juden erscheinen, sondern allein auch Juden sind! Und diesen „Juden" kann Ben Akiba der Jüngere mit seiner Broschüre nicht das mindeste bieten,-er kann mit ihr höchstens den Nichtjuden etwas bieten, denen die religionslos und durch Geburt Juden sind und sich dieses ihres angestammten Judentums im höchsten Grade schämen. Diesen Nichtjuden kann allerdings kein billig denkender Mensch einen Vor- >vurf inachen, daß sie ihren inneren Abfall vom Judentum auch äußerlich dokumentieren. Denn darin hat Ben Akiba der Jüngere recht: „einem Idol das blühende Leben opfern, c'est plus ck'un crime, c'est une sottisse." Uns Inden aber, die wir es sind und nicht scheinen, ist Ben Akiba des Jüngeren Ideal selbst ein Idol, — unsere heilige, herrliche Religion aber ist unser