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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-10-01 · Heft 10 (1.10.1899) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 10 (1.10.1899)
Date
1899-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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219 Nicht alle Juden, sondern nur ein allerdings leider nicht geringer Bruchteil von jüdischen Utopisten sind Träger, — oder vielmehr Diener der Zionsidee. — „Einer der ersten Schritte beim legislativen Einschreiten gegen das Judenvolk muß es sein, festzustellen, wer vor dem Gesetz als Jude gelten soll, und daß es die Abstammung, und diese ganz allein, ist, die die Zugehörigkeit zum Judentum bestimmt." Wie gesagt, — vom Antisemitismus dieser Äußerungen abgesehen, — könnten sie, soweit sie die Lösung der Judenfrage berühren, auch ein Zionswächter gethan haben. Mit seiner Behauptung, daß die zionistischen Bestrebungen eine Frucht der antisemitischen Bewegung seien, hat Dr. Giese übrigens recht, und wenn er sagt, die Abstammung mache den Juden zum Juden, und zwischen diesem und allen anderen Völkern bestehe ein unüberbrückbarer Gegensatz, so kann man ihm, — dem Antisemiten, — derartige Äußerungen nicht allzusehr verübeln, da ja so viele Juden ganz ähnliches äußern. An andern Stellen der erwähnten „Thesen", versteigt sich jedoch Dr. Giese zu Äußerungen, die schlechterdings nicht ernst zu nehmen sind. So sagt er unter anderem: „Zur Befreiung des deutsch-christlichen Geisteslebens vom jüdischen Einfluß fordern wir in Übereinstimmung mit ernsten Theologen die Ausscheidung des alten Testaments aus dem christlichen Religionsunterricht." Was soll man zu solch einer ungeheuerlichen Äußerung sagen!- Was Homer für die Kunst und die Poesie ist, das ist die Bibel, — und zwar nicht zum mindesten gerade das alte Testament, für jede tiefere Ethik. — Ein edleres, reineres, gerade für pädagogische Zwecke geeigneteres Werk kennt die Weltliteratur nicht. Und dieses Werk will Herr Dr. Giese aus dem christlichen Religionsunterricht ausgeschieden wissen! Gott sei Dank stand er mit dieser mehr als absurden Anschauung ziemlich isoliert da, und wurde die betreffende These sogar von dem Parteitage abgeleht, von dem übrigens auch die „Kreuzzeitung" sich lostrennt mit der Voraussage, daß der völlige Zersetzungsprozeß der Partei sich schnell vollziehen werde. Daß er dagegen mit seiner Anschauung bezüglich der Frage, wer Jude sei, keinigswegs isoliert dasteht, vielmehr unter den Juden selbst nur allzuviele Gesinnungsgenossen hat, haben wir ja gesehen. Mit seiner letztzitierten Äußerung charakterisirt sich übrigens Dr. Giese als ein Antisemit, der nicht nur ein Feind des jüdischen Stammes ist, — womit sich ja sehr viele Antisemiten begnügen, — sondern der auch die jüdische Religion auf das grimmigste befehdet.-Die jüdische Religion!-Unsere Religion! — Die an Tiefe kein Brunnen, sondern ein Meer ist, ein Meer, an dem sich die Welt erquicken wird, wenn erst das Werk vollendet sein wird, an dem alle die Juden mit Inbrunst arbeiten, die diese Tiefe ahnen, und die alle Formen, ja selbst die

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