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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-09-01 · Heft 9 (1.9.1899) · p. Seite 212

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 9 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
Seite 212 (sequence 20)
Language
German
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212 Als Präsident des Kongresses wird hierauf gewählt: Dr. Herzl, als Vicepräsident, Nordau (Paris), Dr. Gaster (London) und Dr. Mandelstamm (Kiew). Sodann wurde der Legitimations-Ausschuß und das Bureau bestellt. Eine stürmische Ovation bereitete die Versammlung dem Schriftsteller Dr. Max Nordau, der eigens von Nennnes, wo er den Verhandlungen des Kriegsgerichtes beiwohnte, hergeigeeilt war, um einen Vortrag über die allgemeine Lage der Juden zu halten. Er griff besonders die assimilirten Juden und die Rabbiner als die Gegner des Zionismus unter den Juden selbst an und verflieg sich wie schon früher zu der grotesken These, daß die Zionisten das einzige wahre jüdische Volk seien. Das Projekt des deutsch-amerikanischen Zionisten David Trietsch über jüdische Kolonisation auf Cypern fand keinen Anklang. Herr Dr. Marmorek-Wien und Dr. Kokesch-Wien erstatteten den Rechenschafts- und den Kassenbericht. Die Zahl der beitragleistenden Zionisten übersteigt jetzt 100000. Die Einnahmen betrugen 159212 Fr., die Ausgaben 142 754 Fr. Zur Kolonialbank sind die für die Gründung nothwendigen 250000 Pfund Sterling überzeichnet worden. Herr Dr. Menschel-Czernowitz sprach über die Lage der galizischeu Juden. Herr Dr Werner- Wien will nicht blos einen türkischen Charter, sondern einen öffentlich-rechtlichen, unterzeichnet von allen Großmächten. Der Schlußtag des Kongresses nahm einen ziemlich bewegten Verlauf. Die Sitzung dauerte von Mittags 11 Uhr bis Abends 61/a Uhr und war nur durch eine einstündige Nachmittagspause unterbrochen. Znerst wurde die Debatte über das Organisationsstatut fortgesetzt. Sie endigte damit, daß das Statut, von einigen kleinen Änderungen abgesehen, nach dem Entwurf der Kommission angenommen wurde. Es folgten nun Berichte und Anträge von verschiedenen Delegirten, denen wiederum blos fünf Minuten Redezeit zur Verfügung gestellt wurden, ein Umstand, der mehrmals zu lebhaften Protesten Anlaß gab. Großer Beifall erhob sich, als Sir Francis Moutefiore die Rednerbühne bestieg, um den Zionisten seiner wärmsten Sympathie nnd seiner opferwilligen Mithilfe zu versichern. An die Berichte der Delegirten schloß sich die Berichterstattung der Ausschüsse, die ebenfalls infolge der vorgerückten Zeit möglichst kurz gehalten wurde. Die Sprecher des Agitations-Ausschusses betonten besongers, daß der Zionismus, wenn er vollen Erfolg habew solle, sich den Weg zum Herzen des Volkes bahnen müsse, sonst gehe auch das, was bereits gewonnen sei, wieder verloren. Der Zionismus sei keine Parteisache, sondern eine Weltanschauung. Das Organ „Die Welt" soll durch Beilagen vergrößert nnd die Agitation durch Schrift und Presse einem besonderen Preßausschuß überwiesen werden. Referent wie Koreferent empfahlen die Einführung eines sogenannten Partei-A-B-C-Buches, wie dies auch bei andern Parteien in Gebrauch gekommen ist, und sie hoffen von demselben den weitgehendsten Einfluß auf die große Masse. Der Kultur-Ausschuß, als dessen Sprecher Dr. Kahn auftrat, erachtet als eine der ersten Aufgaben, mit denen sich

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