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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-09-01 · Heft 9 (1.9.1899) · p. Seite 211

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 9 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
Seite 211 (sequence 19)
Language
German
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211 Er hatte es langsam bis zum Hofrate gebracht, und in dieser Charge wurde er der Landesregierung in der Bukowina zugeteilt, als erster Hofrat, der dieser Verwaltungsstelle überhaupt beigegeben wurde. Die Stelle war erst damals creiert worden. So oft dann ein Wechsel im Landespräsidium eintrat, prophezeiten die Eingeweihten, daß er an die Spitze der Landesregierung werde berufen werden. Der alte Hofrat lächelte dann immer und sagte: „Das weiß ich besser — man hat oben nicht vergeßen, daß ich ein Jude bin." Man hat es wirklich nicht vergessen. Er kam trotz seiner Anwartschaft nicht an die leitende Stelle. Vor zwei Jahren trat er als Hofrat in Pension. — In Budapest wurde am 17. Juni der siebzigjährige Geburtstag des anerkannten berühmien Gelehrten Dr. M. Kayserling, Rabbiners und Predigers der israelitischen Religionsgemeiude daselbst unter Teilnahme weiter Kreise gefeiert. Herr Dr. Samuel Kohn hielt aus diesem Anlasse eine tiefdurchdachte Rede. — In Schönkirchen bei Gänserndorf starb Herr Gustav Freiherr v. Heine- Geldern, Neffe des Dichters Heinrich Heine, im 51. Lebensjahre. — In der medicinischen Facultät in Wien wurde Professor Dr. Emil Zuckerkand! zum Decan für das kommende Schuljahr gewählt. Professor Zuckerkandel hat diese Würde schon im Studienjahre 1890/91 bekleidet. — An dem dritten Zionisten-Kongreß in Kasel haben über 300 Delegirte, zum Teil aus den entlegensten Ländern, auch aus Nordamerika, teilgenommen. Herr Dr. Herzl (Wien), Präsident des Äktions-Komites, mit rauschendem Beifall begrüßt, dankte für die Gastfreundschaft Basels und betonte namentlich zwei Punkte: Den Erfolg der Subskription auf die jüdische Nationalbank und den Empfang einer Delegation des Aktions-Komites, durch Kaiser Wilhelm in Jerusalem. Er sagte u. A.: „Geringfügige Bewegungen werden aus solcher Höhe nicht bemerkt. Aber es ist mehr als eine bloße Kenntnißnahme erfolgt. Es wurde nicht irgendeine jüdische Deputation, es wurden nicht die Mitglieder irgend' eines „praktischen" Kolonisationsvereins empfangen, sondern die Abordnung des zionistischen Äktionskomites. Die Gründe und Ziele unserer Bewegung waren vorher genau bekannt, und der deutsche Kaiser hat uns daraufhin an einem für das gesammte Judentum denkwürdigen Tage sein wohlwollendes Jnterresse zugeführt." Als Ziel der zionistischen Bestrebungen bezeichnet Dr. Herzl die Erlangung eines „Charters” von der türkischen Regierung, eines „Charters" unter der Souveränität des Sultans. Erst wenn wir im Besitz dieses „Charters" sind, welcher die nöthigen öffentlich rechtlichen Sicherheiten enthalten muß, können wir eine große praktische Kolonisation beginnen. Für die Gewährung dieses „Charters” werden wir der türkischen Regierung große Vorteile vermitteln." Tr. Herzl wies dann auf den Erfolg bei der Subskription für die jüdische Kolonialbank hin. Aus Sibirien, aus China, aus dem südlichen Argentinien, aus Canada und Transvaal sind Subskriptionen eingelaufen. Die Kolonialbank exisiirt heute. Mit begeisterten Worten kennzeichnete Dr. Herzl dann die Bestrebungen des Zionismus als einen Kampf nm die sociale Gerechtigkeit.

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