Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1899)
- Date
- 1899-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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210 liebhaber als Bücherhändler nnd scheute keine Mühe wenn es galt, eine seltene Handschrift, seltene alte Drucke und dgl. aufzusuchen und deren Besitz sich zu sichern. Er galt als unbestrittene Autorität auf dem Gebiete der Handschriften- und Jnkunabeln-Kunde und wurde als solche von den ersten Bibliotheken der Welt, wie British Museum, Oxfordiana u. azu Rathe gezogen. — In Berlin starb Frau Ieannete Schwerin, die Gattin des Sanitätsrates Dr. Ernst Schwerin. Sie schloß sich den Vorkämpferinnen der Frauenbewegung an und gewann in der bürgerlichen Frauenbewegung bald eine führende Stellung. Eindringlich beschäftigte sie sich mit der Armenpflege. Jeannete Schwerin rühmte sich, von der Familie des Don Jsak Abarbanels abzustammen, und mit großem Bemühen verfolgte sie zeitlebens die Arbeit, ihren Stammbaum festzustellen. — Der Bankier Kudolf Sulchach in Frankfurt a. W. hat das Comthurkreuz 1. Klasse des sächsisch-ernestinischen Hausordens erhalten. — Unter den diesjährigen preisgekrönten Studirenden der Donner Universität befinden sich die Herren Dr. med. Rülf-Bonn, Salomon-Jserlohn nnd Herz-Marburg. — Wie aus Swinemünde gemeldet wird, hat dort ein Berliner Primaner, Julius Schlesinger, einen Leutnant, der sich zu weit ins Meer hinaus wagte, aus Lebensgefahr gerettet. — Herr Dr. phil. Mar Doctor ist zum Stellvertreter des Rabbiners und Dirigenten der Religionsschule in Krrslan berufen worden. — In Barmen wurde Herr Dr. Grabowslry aus Konih zum Rabbiner gewählt. — Die Schwestern Louise und Adelheid Hauth in Wiesbaden, Nichtjüdinnen, erstere im Jahre 1892, letztere vor Kurzem verstorben, haben in ihrem Testament den Israelitischen Unterstützungs-Verein mit einem Legat von 5000 Mk. bedacht. — In Ems starb Herr Rabbiner Elias Wunk im Alter von 82 Jahren, der in Altona als Klausrabbiner eine segensreiche Thätigkeit entfaltete. — Jüngst starb in Baden bei Wien plötzlich der pensionierte Hofrat der Czernowitzer Statthalterei, Herr Eduard Straßer. Er war als Jude geboren, und seine Laufbahn ist in mannichfacher Hinsicht bemerkenswert. Er war der erste Jude, der sich in Österreich dem politischen Dienste widmete. Sein Schritt erregte begreiflicherweise großes Aufsehen unter seinen Glaubensgenossen, aber auch eine gewisse Bestürzung, da er einer frommen Familie entstammte und man allgemein seinen Eintritt in den Staatsdienst mit dem Übergange zur katholischen Kirche für gleichbedeuteud hielt. Umso größer war die Verwunderung, als Straßer erklärte, daß er absolut nicht die Absicht habe, aus dem Judentum auszutreten. Wirklich avancirte er als ausgezeichneter Jurist und außerordentlich brauchbarer Verwaltungsbeamter trotz seiner Zugehörigkeit zum Judentum mit einer überraschenden Schnelligkeit bis zum Range eines Bezirks-Komissärs. — Ein Bezirks-Kommissär steht im Range einem Hauptmanne gleich. Von da an aber trat eine Pause ein — Straßer wartete so lange, bis er einsah, daß es ohne Taufe überhaupt nicht weiter gehen werde. Da vollzog er seinen Übertritt zum Protestantismus nnd erstieg nach und nach alle Stufen der Beamtenhierarchie bis hart an die oberste Grenze. Dort aber blieb er zeitlebens wieder stehen.