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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-09-01 · Heft 9 (1.9.1899) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 9 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 T Verherrlichung der Geistesgröße, mit ihrem so oft wiederholten Ausspruch: „Fehlt dir das Wissen, was hast du. hast du das Wissen, was fehlt dir?" Auch an unserem Geiste ziehen bei Beginn des neuen Jahres wie in traumhaften Gestalten Bilder der Zukunft dahin, alle die vielen Wünsche, die wir im Herzen tragen, rufen, daß wir sie hören und erwählen und im Gebete emporsenden zu dem Ewigen, bei dem alle Größe und Macht und Herrlichkeit ist. Wie sind es alle Wünsche denn, die da aus den Tiefen unserer Seele emporsteigen, werden nicht, wenn sie erfüllt sind, wieder andere und mehrere an deren Stelle treten, die uns für heute ebenfalls noch thöricht und überflüssig scheinen und die dennoch einst mitten in dem blühendsten Segen ein Quell drückender Sorge und Unlust werden können, wenn das Ziel der Erfüllung ihnen ferne bleibt? Wird denn das Herz je müde des Begehrens und ist denn die Gunst des Glückes so arm, daß sie uns nicht immer noch mehr zu bieten vermöchte, als wir bereits erreicht und errungen haben? Quäle dich nicht mit den vielen Sorgen und Hoffnungen, die sich doch immer nur auf ein Vergängliches beziehen und darum nie ihr Maß und ihre Grenze finden. Eines wünsche, Eines suche zu erlangen, ruft daher die Religion beim Ausblicke in eine neue Zukunft uns zu — und das ist die wahre Lebensweisheit. Wahrheit erwerbe und gieb sie nicht preis, Weisheit, Lehre und Einsicht. Laßt uns diese ernste Mahnung wohl betrachten, auf daß sie klar und bewußt werde unserem Geiste und ans ihrer Saat uns erblühe das Verständniß des Lebens, des Daseins Friede und Seligkeit. Die Erkenntniß der Wahrheit, die wir durch weises Nachdenken, durch die ernste Betrachtung des Lebens, durch tieferes Eindringen in den Grund unseres Menschenwesens, durch Einsicht, Erfahrung und Belehrung erlangen, schützt uns, so wir nur ihrer Leitung folgen, vor der Einbildung, die unser Auge verblendet, so daß es zwischen dem Guten und Bösen, zwischen dem Heilsamen und Verderblichen nicht zu unterscheiden vermag, vor den Täuschungen der Erdenwelt, die mit verführerischem Schimmer das Herz an sich ziehen, um es schließlich dem Spiele böser Mächte preiszugeben, vor den Verirrungen des Geistes, der der Reife und Schärfe und Klarheit entbehrend, dem Wahne und Eigensinn anheimfällt. Ist das an sich schon ein trauriges und unglückliches Geschick, wenn der Geist, der des Menschen Zier und Vorzug ist, in dem des Menschen Adel und Würde ruht, der sein Höheres Theil und eigentliches Wesen bildet, auf einer niedrigen Stufe der Entwickelung zurückbleibt und dieser Mangel nicht durch alle die Gaben und Kostbarkeiten zu ersetzen ist, die uns das Erdenleben nur darbieten kan», so ist dies noch um so verhängnißvoller, als dadurch der tiefere Gehalt und die edlere Bedeutung unseres irdischen Daseins uns verschlossen bleibt und wir, um dem Bewustsein unserer geistigen Armut zu entgehen, uns der eitlen Selbsttäuschung in die Arme werfen und die Leere und Kahlheit unseres Inneren durch den äußeren Schein und Prunk zu verdecken suchen. Welche Sorgen und Qualen, welche Mühen und Anstrengungen, wie

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