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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-09-01 · Heft 9 (1.9.1899) · p. Seite 197

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 9 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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197 Am Worabend des Meuzatzrsfestes. Rede, gehalten von Rabbiner vr. N. Brüll s. A. Wer von uns kennt nicht die alte sinnige Erzählung von einem der mächtigsten und berühmtesten Könige Judas und Israels, dessen Reich von den Gestaden des Mittelmeeres bis an die Strome Babylons sich erstreckte, dessen Ruhm durch weite Länder und ferne Gegenden klang, dessen Name heute noch nicht blos in den Geschichtsbüchern Israels, sondern auch in den Sagen aller morgenländischen Völker gefeiert und verherrlicht wird, von dem vielgepriesenen Könige Salomo, der, als in einem Traumbilde der Nackt alle Wünsche seines Herzens ihm vor die Seele traten und ihn aufforderten, daß er einen und zwar den besten in ihrer Mitte erwähle, damit er ihm gewährt werde, als da gleichsam der Ewige, in dessen Hand die Geschicke aller Menschen liegen, ihm erschien und alle Herrlichkeiten des Lebens vor ihm ausbreitete, daß er unter ihnen das kostbarste und beglückendste Gut des Erdendaseins sich herausnehme, nicht nach den goldenen Schätzen, die da aufgehäuft lagen, seine Hand ausstreckte, nicht auf die Herrscherkronen und Siegeskronen, die da zu seinen Füßen lagen den Blick wendete, nicht zu dem Glanze des Ruhmes und der Ehre, der in blendender Pracht ihn umstrahlte, sein Auge erhob, ja nicht einmal ein hohes und langes Lebensalter für sich begehrte, sondern nur Eines als das erstrebenswerteste aller Segensgüter von dem Ewigen sich erbat — nämlich die Weisheit! Ein thörichter Wunsch das, möchte mancher wohl ausrufen, ein nutzloser und überflüssiger Wunsch! Ruhm und Reichtum und Macht und Ehre und Gesundheit und Lebensdauer und alles, was das Herz erfreut und das Dasein verschönert, zu besitzen, wessen bedarf es noch mehr? Und dies alles bei Seite zu lassen und nur an Weisheit und Einsicht und Erkenntniß und Geistesvollendung sein Gefallen zu finden, ist das nicht eine Verkehrtheit, die den gewöhnlichen und allgemeinen Anschauungen über Lebensheil und Erdenglück völlig widerspricht? Und dennoch wird der, der ein solches Verlangen ausgesprochen, obgleich er doch nur hätte zu wollen brauchen, um auf die höchsten Stufen irdischer Größe und Glückseligkeit erhoben zu werden, der weiseste unter allen Menschen genannt. Und dennoch war Salomo auch der glücklichste und gesegnetste unter den Menschen, so lange sein Geist von hohem Sinne erleuchtet, so lange sein Herz von dem edelsten Streben beseelt ivar und welkte und zerfiel wieder all die Macht und Pracht, die er um sich aufgebaut, als er den Faden wahrer Erkenntniß verlor, als die Festigkeit des sittlichen Willens in seinem Innern erlahmte und die Thorheit und Eitelkeit und Verführung den Thron der Herrschaft bestiegen in seiner Seele? Muß also nicht in dem Geiste das Geheimniß des wahren Lebensglückes ruhen, muß also nicht in der Veredlung der Seele, in der Vollendung der Erkenntniß, in dem Besitze der Weisheit der Schatz alles Menschensegens bestehen, oder hatten die Alten Unrecht mit ihrer

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