Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1899)
- Date
- 1899-09-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969875--5783-2975098- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
195 int Drucke erschienen sind. Für seine wissenschaftliche Entwicklung und Ausbildung war es ein Glück zu nennen, daß seine Berufung als Rabbiner in Berlin nicht zu Stande kam. Er folgte 1877 einem Rufe an die neubegründete Landesrabbinerschule als Professor für Neligionsphilosophie, Geschichte und Homiletik und hatte Gelegenheit dort seine reiche Kraft als Meister des Wortes und der Schrift zu entfalten zum Segen weiter Kreise, in die durch seinen Tod eine unausfüllbare Lücke gerissen wurde. Schon im ersten Jahre seiner hingebenden Thätigkeit in Budapest erschien auch sein „Jehuda Holevy Versuch einer Charakteristik" „George Elioth und das Judentum". Kaufmann wird für die Anstalt an der er wirkte nicht zu ersetzen sein, er wandelte die Pfade echter Wissenschaftlichkeit und wenn er auch noch so sehr von Wärme für seinen Stoff erfüllt war, so that dies doch seiner Objectivität keinerlei Eintrag. Geradezu bahnbrechend ivaren seine Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Kunstgeschichte und kamen ihm dabei seine günstigen marteriellen Verhältnisse zu statten, die es ihm ermöglichten, sich voll und ganz seinen wissenschaftlichen Neigungen und Liebhabereien hingeben zu können. Er war in der glücklichen Lage, Manuscripte mit Werken jüdischer Maler erwerben zu können, die ein reiches Material zu einer jüdischen Kunstgeschichte enthalten, die er wie kein zweiter zu bearbeiten berufen war. Auf seine Veranlassung wurden Archive durchsucht, Handschriften und Grabsteine copiert und aus vermoderten Blättern und verwitterten Steinen sollte neues Leben erstehen und sie sollten zu erzählen beginnen von Israels Leiden und Geistesthaten. Als bedeutend hervorzuheben sind seine „Etudes d’ärchaeologie juive et chvetienne” und seine Biographieen hervorragender Männer. Es sei hier nur hingewiesen auf seine weitbekannten Schriften: Samson Wertheimer (1888), Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers (1892). Die letzte Vertreibung der Inden aus Wien und Niederösterreich (1892), R. Jair Chaim Bachrach und seine Ahnen (1894) Dr. Israel Conegliano und seine Verdienste um die Republik Venedig bis nach dem Frieden von Karlowitz (1895). Meisterhaft bewährte sich seine glänzende Feder in der Abwehr gegen unsere Feinde und besonders hell leuchtete das strahlende Feuer seiner Begeisterung für Israels Lehre und Ehre in seiner Schrift „Paul de Lagardes jüdische Gelehrsamkeit" (1887), die gegen den deutschen litterarischen Antisemitismus mit Erfolg gerichtet war. Wenn es galt nachgelassene Schriften von Gelehrten der Vergessenheit zu entreißen, da wurde Kaufmann gerufen, der ja auch im Begriffe stand, den Nachlaß des sel. Dr. Michael Sachs zu ordnen. Hier sind zu nennen: Tie Familien Prags. Nach den Epithaphien des alten jüdischen Friedhofes in Prag zusamnieugestellt von Simon Hock. Aus dessen Nachlasse herausgegeben (1892). Die echten hebräischen Melodien von Prof. S. Heller. Eingeleitet und bevorwortet (1893).