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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-09-01 · Heft 9 (1.9.1899) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 9 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 und war es neben seinem schlichten, braven Vater Leopold besonders seine unvergleichliche Mutter Rosa, die ihn mit zärtlichster Sorgfalt umgab und für die Ausbildung seines Geistes und Herzens eine rührende, hingebende Thätigkeit entfaltete. Sie kam fast täglich zu dem berühmten Gemeinderabbiiier Herrn Jakob Brüll, der damals schon mit seinem Sohne Nehemias, dem nachmaligen Rabbiner von Frankfurt a. M. große Erfolge erzielt hatte, um für ihren Sohn David seinen Rat und seine That in Anspruch zu nehmen. Bis zu seinem fünfzehnten Jahre leitete Herr Rabbiner Brüll die Erziehung David Kaufmanns und führte ihn in die biblisch-talmndische und religionsphilosophische Litteratur mit der ihm eigenen ausgezeichneten Methode ein und hatte durch seine historisch kritischen Forschungen und durch seine anregenden Erzählungen aus der Geschichte der Juden, wie sie besonders in der Responsen-Litteratur zum Ausdruck kommt, auf seine litterarische Richtung mächtig eingewirkt. Auch war es Kaufmann vergönnt in Kojetein öfter mit dem um neun Jahre älteren Nehemias Brüll, der ihn eine Zeit lang auch in Gymnasialfächern unterrichtete, zu verkehren und diesem glänzenden Vorbilde nachzustreben. In seinem fünfzehnten Lebensjahre führte Herr Rabbiner Brüll seinen mit reichem Wissen ausgerüsteten Schüler persönlich bei dem Direktor des Breslauer Seminars, dem unvergeßlichen Zacharias Frankel ein» der als Schüler des Nehemias Trebitsch s. A. für dessen Schwiegersohn, der damals schon an der „Einleitung in die Mischnah" arbeitete ein lebhaftes freundschaftliches Interesse bekundete. In Breslau wurde Kaufmann bald der Liebling Frankels und seines Lehrers Rosin. Wir hatten Gelegenheit selbst noch einige Zeit dort den Lebensgang Kaufmanns zu verfolgen, der am meisten mit dem leider auch früh Heimgegangenen Pincus Frankel, dem nachmaligen hervorragenden Berliner Rabbiner verkehrte, mit dem er viele Jahre zusammen wohnte. In den Ferien auch, als er schon beruflich in Budapest thätig war, kam Kaufmann immer wieder nach Kojetein und hatten wir oft Gelegenheit mit ihm im Hause seines Lehrers zusammenzutreffeu und uns an den daselbst mit Eifer geführten litterarischen Unterhaltungen zu erfreuen. Kaufmanns Bedeutung vollauf zu zeichnen kann nicht die Aufgabe dieser schnell hingeworfenen Zeilen sein, und wollen wir uns vorläufig darauf beschränken seine reichgesegnete Wirksamkeit nur umrißlich hervorzuheben. Sein Lieblingsfach, zu dem er imnier wieder gerne zurückkehrte, blieben die jüdische Religionsphilojvphie und die Epoche der klassisch hebräischen Litteratur, wie denn auch noch seine letzte Arbeit Jbn Gebirol galt, von der Correcturbogen auf dem Schreibtisch des Sterbenden lagen. Nachdem er sich schon durch „die Theologie des Bachjah ibn Pakudah" (1874) und durch „die Attributenlehre der Saadia Alfajumi" (1875) vortheilhaft in die Litteratur eingeführt hatte, wurde er durch sein 1877 erschienenes Werk „Geschichte der Attributenlehre in der jüdischen Religionsphilosophie bis Maimuni" weithin bekannt. In den Herbstfeiertagen 1876 hielt Kaufmann, der seine Studien beendet hatte, auf Aufforderung des Vorstandes der Berliner Gemeinde daselbst Festpredigten, die auch 1877

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