Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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182 großbritannischer Konsul. Derselbe stand in großem Ansehen und Sr. Majestät der König ließ den Hinterbliebenen seine Teilname anssprechen. — Der Almosenverein der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. W. vereinnahmte im Jahre 1898 Mk. 14,821 Jahresbeiträge und Mk. 49,777 Spenden zur Verteilung, wozu noch Mk. 15612 Zuschuß ans dem Zinserträgnis kamen. Verteilt wurden an 554 Familien und Alleinstehende Mk. 76,696 gegen Mk. 79,235 im Vorjahr. Die Verwaltungsspesen betrugen Mk. 3514. Aus der Hechtschen Stiftung wurden 1980, aus dem von Herrn Georg Speyer gegründeten Extrareservefonds Mk. 5700 verteilt- Die Verwaltung wäre in eine schwierige Lage gekoinmen, wenn nicht ein Legat des in Paris verstorbenen Dr. S- H. Goldschmidt von Mk. 10,000 der Anstalt zugeflossen wäre. Dieselben sind in obigen Mk. 49,777 einbegriffen. Von sonstigen größeren Gaben sind zu erwähnen Mk. 4000 von Freifrau von Rothschild, Mk. 1040 von Frau Regine Weiller, Mk. 1000 von den Erben von H. G. Steffens. Für den Extrareservefonds spendete Georg Speyer Mk. 5000. Die Zahl der Hilfesuchenden steigt fortwährend mit dem Anwachsen der Gemeinde, während die Spenden im Rückgang begriffen sind. — Von Herrn Rabbiner Dr. S. Earlebach ist eine Geschichte der Juden in Lübeck und Moisling dargestellt in neun Vorträgen erschienen. — In Glogau wurde Herr Dr. Lncas zum Rabbiner gewählt, in Czarnickau Herr Dr. Silberstein und in Pasewalk Herr Dr. Kalischer. — Dem neunten Jahresberichte, der in Kerlin bestehenden Schule zur Ausbildung armer jüdischer Dienstmädchen entnehmen wir: Unterrichsgegenstände sind Haushaltungslehre, Backen, Kochen und zur Wirtschaftführung nötige Kenntnisse. Die Dauer der Lehrzeit beträgt 2 Jahre und ist der Unterricht unentgeltlich. Im abgelaufenen Jahre waren 17 Mädchen im Alter von 14—17 Jahren in der Anstalt. Der Verein, welchem 458 Mitglieder angehören, verfügt über Jahresbeiträge von 5183 Mk. — Der erste Bericht der jüdischen Haushaltungsjchule in Frankfurt a. M. ist erschienen. Als Zweck der Anstalt wird Folgendes bezeichnet: Die jüdische Haushaltungsschule zu Frankfurt a. M. sucht den häufigen sozialen und sittlichen Übelständen in den unbemittelten jüdischen Volksklassen durch eine gediegene hauswirtschaftliche Erziehung der weiblichen Jugend, und in weiterer Folge durch die Pflege des jüdischen Dienstbotentums zu steuern. Zur Erreichung dieses Zweckes bemüht sie sich, jüdische Mädchen in allen hauswirtschaftlichen Zweigen so auszubilden, daß sie durch Kraft des Erlernten zunächst erwerbsfähig werden, und weiter als zukünftige Ehefrau des kleinen Mannes ihren Haushalt mit geringen Mitteln vernünftig und sparsam zu leiten verstehen. Da die Erwerbsfähigkeit am leichtesten durch Annahme einer Stelle als Köchin erzielt wird, so müssen zunächst solche Mädchen berücksichtigt werden, die sich diesem Berufe widmen wollen. Ist es doch gerade diese Stellung, die für die unbemittelten Mädchen als die in pekuniärer und moralischer Beziehung gesicherteste erscheint und ihnen auch bei guter Führung am besten Aussicht auf ehrenhafte Versorgung bietet. Freilich nicht jedes Mädchen ist für eine dienende Stellung geeignet.