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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-08-01 · Heft 8 (1.8.1899) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 8 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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181 talmudische Lexica, Grammatiken, Philosophisches und Historisches enthält. Das Buch Freudenthals bietet noch eine Menge interessanter, neuer Daten. — Znm Kapitel „Juden in der Landwirtschaft" möge folgender kleine Beitrag dienen. In Aiedaltdorf (Kreis Saarlonis Bez. Trier) starb im vorigen Jahre ein hochgeachteter jüdischer Greis Namens Isaak, der mehr als ein halbes Jahrhundert der bedeutendste Imker der Gegend war. Seine Bienenwirtschaft wird jetzt von dessen Sohn fortgeführt und bringt jährlich, wie man uns mitteilt, einen Gewinn von etwa 3000 Mk. ein. Der Honig wird seiner Vorzüglichkeit und Reinheit wegen mit Vorliebe gekauft. — Ein interessantes Haus wird demnächst in Stuttgart vom Erdboden verschwinden, um dem Bau des Hauptpostamts Platz zu machen. Es ist dies das an der Ecke der Fiedrichs- und Schloßstraße belegene zweistöckige, langgestreckte Gebäude, dem man noch heute das Gepräge des einst vornehmen Hauses ansieht. Hier wohnte und wirtschaftete unter Herzog Karl Alexander der allmächtige Kabinetsminister und Finanzdirektor Süß, im Volksmund „Jud Süß" genannt, der Held der bekannten historisch-romantischen Erzählung Wilhelm Hauffs. Von diesem Hause aus wurden die Geschicke des württembergischen Saates gelenkt, bis der Herzog am 11. März 1737 plötzlich in Ludwigsburg starb, und der Minister J»d Süß in derselben Nacht durch Oberst v. Röder verhaftet wurde, wie in dem die Ereignisse schildernden Liede noch lange nachher vom schwäbischen Volk gesungen wurde: „Da rief der Herr v. Röder: Halt oder stirb entweder!" Am 4. Februar 1738 wurde Jud Süß an einein besonders hohen Galgen aufgeknüpft, und seine Güter fielen der Krone anheim, darunter auch sein Palais in Stuttgart. Es wechselte seine Bewohner und seine Zwecke, bis im Jahre 1818 die Königin Katharina, die sich 1816 mit dem König Wilhelm I. von Württemberg vermählt hatte, beschloß, für die Töchter der mittleren und höheren Stände ei» Institut ins Leben zu rufen. So entstand das „Katharinenstift in Stuttgart." — Dem zur Ausgabe gelangten siebzehnten „Srricht Uber die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" geht eine Arbeit des Docenten Herrn Dr. E. Baneth über „Maimuni's Neumondsberechnuug" (die Fortsetzung der vorjährigen Programmarbeit) voran. Die Anstalt wurde von 31 Hörern (19 deutschen, 12 ausländischen) besucht. Die Einnahmen beliefen sich auf 35227,10 Mk., die Ausgaben 16675,30 Mk. Die Stipendieukasse vereinnahmte 4140,90 Mk. und verausgabte 3840 Mk. Das Vermögen der Anstalt hat die Höhe von 218110,60 Mk. erreicht. Dem Bericht beigegeben sind die Trauerreden, welche Herr Rabbiner Dr. Maybaum und der Hörer Herr Dr. Joseph an der Bahre des Prof. Steinthal gehalten. — Die Schächtdebatte im deutschen Reichstag gab Zeugnis davon, daß es mit dem rohen Antisemitismus nun abwärts geht und daß man für Menschenschntz ebenso viel Sinn hat wie für angeblichen Tierschutz. — Herr Rabbiner Dr. Koch aus Barmen wurde in Gothenburg zu Rabbiner gewählt. — In Stuttgart verstarb kürzlich Herr Geheimer Hofrath v. Kanlla, Direktor der württembergischen Hosbank und

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