Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 blos in der Geschichte — denn vergebens sucht man ja in der Vergangenheit, so weit man auch noch zurückgehen mag, nach einer ähnlichen Gestalt, — sondern auch in unserem, wegen seiner Philanthropie mit Recht vielgerühmten Zeitalter. Oder, wen wüßtet Ihr ihr wohl zur Seite zu stellen? Läßt sich ja ihr — drei Weltteile umfassendes — gottvolles Werk kaum beschreiben, kaum recht überblicken! Man erzählt, daß ein Bewunderer des alten römischen Reiches zur Zeit der Kaiserherrschaft. ein Bewunderer namentlich seiner ungeheueren Ausdehnung seiner Unermeßlichkeit, sowie der gewaltigen Kunst, so zu regieren, darauf einmal den Bibelvers angewendet habe: „Der Himmel an Höhe, die Erde an Tiefe und das Herz der Könige sind unergründlich" (Spr. 25,3; Talin. Sabb. 11 a). Dürfen wir es nicht auch auf die Baronin Hirsch, diese Fürstin auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit * anwende»? Manche meinen zwar, daß ihre Wohlthätigkeit im Verhältnis zu ihrem Ungeheuern Vermögen gestanden habe. Allerdings. Woran aber will man wohl ihren Geist, ihr Herz messen? Daß sie dieses ihr ganzes Vermögen fast zu diesem > einzigen Zwecke hergab? Sie war eine Dame der höheren Gesellschaftskreise und selbst von hoher Bildung. Hätte sie sich nicht auch damit unsterbliche Verdienste erwerben können, wenn sie ihr Vermögen, oder einen namhafteren Teil desselben zur Förderung von Kunst und Wissenschaft verwendet haben würde? Nun * hätte man sie nicht auch dafür bis in den Himmel erhoben? Ja doch, und gewiß , nicht mit Unrecht. Aber es war dies nicht der Himmel, nach welchem ihr Sinn stand. Sondern ihr Geist und Herz verlangte nach einem anderen Himmel, dem wahren, dem strahlenden, dem hohen und ewigen. Und dann, wie sie's that. Wie sie die Wohlthätigkeit übte! Mit welcher Sanftmut und mit welcher Frömmigkeit! Mit welcher Milde und mit welcher Würde! Wie sie sich das zur Lebensaufgabe machte, zur einzigen und großen! Wie sie darin lebte und daran — vielleicht starb! Denn könnt Ihr Euch wohl [| denken, was ein Herz, wie das ihrige — ein schwer krankes Herz zudem — darunter | zu leiden haben mochte, daß des Elends kein Ende sei, und all ihre Millionen, im f Verhältnis dazu, nur wie ein Tropfen im Meer, daß Ströme von Thränen das f . Meer nicht voll machen können, und sie — sie selbst dem hilflos zusehen müsse?! jj Ja, sie war eine Fürstin im Reiche der Wohlthätigkeit und der Menschenjj liebe nicht blos, sondern sie war, wie man wohl sagen kann, derzeit dessen Allein-!! Herrscherin.!, Eines dürfen wir nicht vergessen. Es gab doch Einen, der ihr ebenbürtig | war- Das war ihr hochseliger Gatte. Aber es ist kein Zweifel, daß sie auch ihn jj übertraf. Zn dem großen Herzen des Menschenfreundes, das er in sich getragen | hatte, brachte sie noch das Herz der Frau hinzu. Und es unterliegt heute wohl | keinem Zweifel mehr, daß sie bei seinen Lebzeiten, obschon sie sich da mehr im Hinterjj gründe hielt, zunächst die Genossin seines hohen Strebens und Schaffens, wenn