Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 genossen durch Aufrechnung von Kosten für die Ernährung in der Gefangenschaft nach Herzenslust auszubeuten und was that es zur Sache, daß, uni des schmutzigen Borteils willen, Männer und Frauen, Väter und Mütter durch Jahre hindurch olle die körperlichen Qualen einer mittelalterlichen Untersuchungshaft ansstehen und daß selbst die unschuldigen Kleinen dieser Unglücklichen die goldenen Kinderjahre im Dunkel des Kerkers zubringen mußten. Endlich hatte sich die Geduld König Friedrich III. in mehrfachen Urgenzen der Angelegenheit erschöpft und unterm 18. Oktober 1447 zeigte er von Wien ans dem Bürgermeister und Rat zu Constanz an, daß er seinem Bruder, dem Herzog Albrccht von Österreich die Ratssprechung in dieser Sache übertragen habe. Dieser Fürst, jedenfalls von vorneherein von der Absurdität der gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen durchdrungen, wie überhaupt alle den Juden in dieser Hinsicht gemachten Vorwürfe von allen Urteilsfähigen als Lug und Trug behandelt wurden, betrieb denn auch die Führung dieser Untersuchung mit aller Energie und im Frühjahre des Jahres 1448 finden wir die in Constanz gefangenen Judenfamilien nach nahezu fünfjähriger Haft als unschuldig befunden, wieder in Freiheit gesetzt. Fortsetzung folgt. Gedenkrede auf Waronin Kirsch s. A., gehalten bei der Trauerfeier am 3. Mai 1899 im Tempel in Temesvär von Dr. Moritz Löwy Oberrabbiuer daselbst. „Eine ist meine Taube, meine fromme." (H. L. 6, 9.) Andächtige Trauergemeinde! Seit dreißig Tagen decket die kalte Erde die sterblichen Überreste der Einzigen und Unvergleichlichen, die wir heute hier betrauern Die erste Trauerwoche, die des dumpfen lautlosen Schmerzes, untermischt mit den Ausbrüchen lauter stürmischer Wehklage, und der erste Trauermonat, der der beginnenden Sammlung und Fassung, sie sind bereits vorüber, und nun beginnt das Trauerjahr, — wie unsere alte Satzung es Eltern gegenüber fordert. Denn sie war ja eine Mutter, die Mutter unzähliger Armen, unzähliger Wittwen und Waisen, unter welchen Tausende von Kranken und Siechen an Leib oder an Geist, die „Mutter aller Lebenden" (Sen. 3, 21,) wie man in einem gewissen Sinne von ihr sagen könnte. In der That, sie stand als Wohlthäterin einzig und unvergleichlich da, nicht