Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969874--5761-2975075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 welcher strafbaren Handlung diese in genannten beiden Städten gefangen Gehaltenen beschuldigt waren, dies finden wir aber in einer folgenden 4« dato 19. Jänner 1444. König Friedrich III. gebietet hierin dem Bürgermeister und Rath zu Constanz die 300 fl. Rheinisch, welche die Leute zu Bregenz, Unterthanen der Grafen von Montfvrt, von den zu Constanz gefangenen Juden entlehnt haben und darum der Truchseß zu Waldburg, Landvogt in Schwaben etliche Kleinode versetzt hat, von denen von Bregenz bis zum Austrag der Sachen von des Mordes wegen, welchen diese Juden an einem Christenknäblein sollen begangen haben, zu nehmen und solche sammt dem Gut der andern Juden zu behalten und dem Truchseß die Kleinode, die in der Juden Gewalt seien, wieder zu überantworten^ Als zu Constanz gefangen liegend finden wir erwähnt: Jakob Jud, Gabriel Levi, Salomon und Josef Gebrüder, weiland Salomons Söhne von Rienfeldcn, Gabriel Tremeß, ihr Vogt, Männli Tremeß, sein Binder, Abraham Jud von Colmar, Schmul Eberlins Juds Söhne von Winterthur und Josef der Jud und dessen Weiber und Kinder. Der Erstgenannte wird auch in den über diese Untersuchung noch vorfiudigen Urkunden anderswo Jakob der Jud von Feldkirch genannt, eine Bezeichnung, die wir als Beweis betrachten, daß derselbe früher in Feldkirch ansäßig gewesen sein mußte und daß somit in Feldkirch schon im fünfzehnten Jahrhunderte irgend eine Judenniederlassnng bestand und daß die zu Feldkirch gefangen genommenen Juden mithin durchaus keine zufällig vorüberziehenden gewesen sein mußten, sondern viel wahrscheinlicher dort ansäßig gewesen sind. In Verbindung mit dieser urkundlichen Anführung bleibt auch die Pruggersche Erzählung über einen Schabernack, der einem Priester und Juden gespielt worden sein soll, erwähnenswert, weil sie ebenfalls auf das Vorkommen von Juden in Feldkirch und zwar schon in der Zeit des letzten Herrn von Montfort - Feldkirch einigermaßen schließen läßt. Der Feldkircher Chronist I. G. Prugger schreibt nämlich wörtlich: „Im Besagten 1380igsten Jahr am Abend vor St. Martini fing der Korb bey der Mühlin zu Veldkirch 9 Mauken klein und groß, am Morgen frühe, mithin auch einen Priester und einen Juden: daß geschah also: da man die Fisch wollt herauß nemmen, stünde der Priester und Jud aufi der Thenn, über welches das Wasser abzufallen pflegt, waren beyde voll Wunder so vieler Fische», uuder dessen hat ein Bößwicht, welcher der Flach genannt, de» Laden gezogen, dahero wurff das Wasser den Priester und Juden in den Korb, wurden aber erretet und heraußgezogen, alsdann hatte man allerhand Fisch." Um nach dieser Abschweifung wieder auf die Constanzer Untersuchung zu sprechen zu kommen, so muß vor Allem erwähnt werden, daß die Constanzer sich nichts weniger als beeilten, der königlichen Betreibung der Untersuchung Folge zu leisten; gab ihnen ja die Gefangenhaltung der anscheinend vermöglichen Juden doch gute Gelegenheit dieselben und ihre auch nicht in Untersuchung stehenden Glaubens-