Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 den wissen, daß die Juden schon früh als Händler und Schiffahrer an fremden Plätzen und Küsten Kommanditen errichteten, so daß zur Zeit ihrer letzten Vertreibung aus Jerusalem wohl keine bedeutende Stadt im ganzen ungeheuren römischen Weltreiche existirte, in der nicht eine kleinere oder größere jüdische Gemeinde sich vorfand. Mit den Römern wird der Sturm der Völkerwanderung Christen und Juden in gleicher Weise hinweggefegt haben. Später jedoch mit der fortschreitenden Cultur und dem Erstarken des Judentums im ganzen deutschen Reiche wird auch unsere Gegend stellenweise wieder von Juden besetzt worden sein, durchzog sie doch eine sehr belebte Handelsstraße zwischen Nord und Süd und war sie doch das Heim so mancher lebenslustiger und darum geldbedürftiger Herrscher. Übrigens zeigen sich schon unter dem Grafen Ulrich I. im Jahre 1321 Spuren von Juden in Vorarlberg. Die Schatzregistratur (Seite 564) enthält einen Urteilsbrief von fünf Schiedsleuten zwischen dem Grafen Albrecht von Werdenberg, Herrn zu Bludenz und dem Grafen Ulrich I. Herr von Feldkirch aus dem Jahre 1343, betreffend den Abzug der Eigenleute des Grafen Albrecht, auch der Inden und Jüdinnen von Feldkirch nach Bludenz. Heiligkreuz nächst Feldkirch wird als ihr alter Wohnsitz genannt. Jedenfalls darf als sicher gelten, daß ungefähr zweihundert Jahre vor dem Termine, den Merkle als den der Einwanderung der Juden angiebt, im Lande eine bedeutende Judenverfolgung stattfand, die der unselige Wahn, welcher ganze Völker und Jahrhunderte gefangen hielt und der leider noch jetzt nicht ganz ausgerottet ist, und die Juden der Ermordung von Christenkindern zum Passafeste verdächtigte, heraufbeschworen hatte. In unserer Behauptung, daß schon ungefähr zweihundert Jahre vor dem Termine, de» Merkle für die Einwanderung der Jude» in Vorarlberg festgesetzt, hierzulande eine bedeutende Judenverfolgung stattgefunden haben müsse, werden wir hauptsächlich durch die in den Schriften des Vereines für Geschichte des Bodensee's und seiner Umgebung enthaltenen Urkundeuauszüge zur Geschichte der Stadt Constanz, mitgeteilt von Dr. Marmor, städtischer Archivar in Constanz, unterstützt. In denselben finden wir eine Urkunde de dato 17. Jänner 1444, vermöge welcher „König Friedrich III. eine Kommission und etlich Kundschaft von der Juden wegen, die zu Veltkirch und Constanz gefangen liegen, nach Constanz schickt und begehrt, daß der Rath solche Kundschaft dem Markgrafen förderlich zuschicke, welchem der König geschrieben habe, daß die Sache ohne langes Verziehen zu Ende gebracht werde-" Diese Urkunde beweist unzweifelhaft, daß zu Feldkirch und Constanz eine Untersuchung gegen Juden anhängig war, die schon darum als eine bedeutende und Aufsehen erregende gehalten werden kann, weil die Kunde von ihr bis an das damals so >veit entfernte königl. Hoflager gedrungen war und das Eingreifen des obersten Richters im Reiche zur Folge hatte. In dieser Urkunde ist zwar nicht angegeben