Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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172 den hochbegabten Verstorbenen, sondern auch als eine Ehrenpflicht gegen die Mitnnd Nachwelt seine hervorragendsten Geistesschöpfungen zu sammeln und zu veröffentlichen. In diesen Werken hat er sich selbst ein dauerndes Denkmal gesetzt, das ihn mehr ehrt als ein Bildwerk aus Erz oder Marmor und auf diesem Denkmal glänzen goldhell seine Worte: „Wir sterben nicht, wir leben, um Edles anzustreben. Wir fordern nur Gerechtigkeit — treu deutsch und jüdisch allezeit!" Ein großer Teil dessen, was er, diese Unsterblichkeit vorahuend, geschrieben, ist in diesem Bande vereinigt, damit es einen Hausschatz bilde für echt deutsch gesinnte jüdische Familien und einen festen Stab für die heranreifeude Jugend, die gute Deutsche sein, aber nicht aufhören wollen, gute Juden zu bleiben. Aber nicht nur diese, sondern auch viele unserer christlichen Mitbürger werden aus Emil Lehmanns Wirken und Werken die Überzeugung gewinnen, daß die Liebe zum deutschen Vaterlande niemals beeinträchtigt werden kann durch jene Glaubenstreue, welcher er durch die Worte Ausdruck gab: „Die Lehre, die hehre, sie lassen wir nicht!" (Aus Emil Lehmann, Gesammelte Schriften.) Zur Geschichte der Juden in Worarwerg. Im III. Teile des von M. Merkte aus den Papieren Josef Weizenegger's zusammengestellten Werkes „Vorarlberg" stnden wir vor Allem gesagt, daß die Hebräer während des Schwedenkrieges Schwaben verließe» und in Vorarlberg Schutz und Unterkommen suchend, vornehmlich in Hohenems, dann aber auch in der Herrschaft Feldkirch sich niederließen. Es fällt uns schwer zu glauben, daß die Juden erst zu dieser Zeit in Vorarlberg sich seßhaft gemacht haben, da es doch eine bekannte Thatsache ist, daß das Judentum schon viele Jahrhunderte früher in ganz Deutschland sich ausgebreitet hatte, ja daß Juden sogar schon unter der Römerherrschaft in Deutschland sich vorfanden, daß die aus den Schulen von Jamnia, Tyberias, Nehardea, Pumbeditha u. s. w. mittelbar oder unmittelbar hervorgegangenen Gelehrten, sogar Gunst und Einfluß bei mächtigen deutschen Kaisern besaßen, und daß die große Mehrzahl der Juden schon vor Beginn der Kreuzzüge allenthalben durch Geschicklichkeit, Fleiß, Sparsamkeit und Mäßigkeit zu großem Wohlstände gekommen war, der der Gesammtheit derselben eine beutegierige Meute und blutige Verfolgung au den Hals zog. Die erste Einführung des Christentums in Vorarlberg wird in jene Zeit zurückverlegt, in welcher römische Kohorten aus Syrien kommend in dieser Gegend Standquartiere nahmen. Es dürfte unsere Ansicht — die wir später begründen werden — die vollste Berechtigung haben, daß diese aus dem mit jüdischen Gemeinden so reich gesegneten Westasien ankommenden Truppen ebenso gut als Christen in ihren Reihen auch Juden in ihrem Troße gehabt haben, da wir von Schlei-