Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-08-01 · Heft 8 (1.8.1899) · p. Seite 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 8 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969865-2969874--5758-2975072
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

171 Lebensende mit größter Hingebung verwaltet. Die Anerkennung für seine Leistungen auf diesem Gebiete wurde ihm bei seiner silbernen Hochzeit, bei seinem 25jährigen Amtsjnbiläum und anderen Gelegenheiten in herzlichster Weise bezeugt; sie fand in der allgemeinen Teilnahme bei seinen« unerwarteten Hinscheiden, durch die Ehrungen bei seiner am 1. März 1898 in der Dresdner Synagoge veranstalteten Trauerfeier deutlichen Ausdruck und sie wird noch nachträglich bekundet durch eine von dem Dresdner Israelitischen Gemeinderat angeregte Wohlthätigkeitsstiftung, welche Emil Lehmanns Namen zu verewigen bestimmt ist. Auch haben die derzeitigen Mitglieder des Israelitischen Gemeinderats, die mit dem Verewigten zusammengewirkt haben, für den Sitzungssaal eine gelungene Copie des vorzügliche» Portraits Emil Lehmanns gestiftet, das ihm die Gemeinde zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum gewidmet hatte. Der erhebenden Trauerfeier wohnten außer den nächsten Angehörigen zahl- ' reiche Mitglieder und namentlich Vorstandsmitglieder derjenigen Körperschaften bei, denen der Verstorbene angehörte, denen er mit Opferwilligkeit, Gewissenhaftigkeit und Charakterfestigkeit gedient, für deren Zwecke und Ziele er selbstlos und hingebend gearbeitet hat. Im Vorhofe der Synagoge brannten die Gaslaternen, die Synagoge war schwarz ausgeschlagen, der Fußboden mit schwarzen Decken belegt, die brennenden Kandelaber mit Trauerflor behängt. Unter der ewigen Lampe stand der mit schwarzem Bahrtuche umkleidete Sarg. Orgelspiel leitete neben Chorgesang die Trauerfeier ein. Einer Abkündigungsrede des Vorbeters folgte sodann die würdevolle, tiefergreifende Trauerrede des Rabbiners vr. Winter. Nach abermaligem Gesang und Orgelspiel sprach der Rabbiner Worte der Aussegnung und der tiefen Trauer der Gemeinde, der Familie, der zahlreichen Freunde. Die Herren des Gemeinderates trugen dann den Sarg aus dem Tempel zum Leichenwagen. In der Parentationshalle des an der Trinitatisstraße gelegenen israelitischen Friedhofes wurden dem Dahingeschiedenen namens der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden, der Freimaurerloge zu den drei Schwertern, des Vorstandes des Deutsch-Jsraelitischen-Gemeindebundes und des Vorstandes des Zentral-Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ehrende Nachrufe gewidmet, worauf die Beerdigung in Anwesenheit zahlreicher Vertreter aller Konfessionen erfolgte. Längst ist der Blumenschmuck verdorrt, welcher an jenem Tage auf das Grab Emil Lehmanns gelegt wurde, aber frische Kränze windet die Erinnerung für den trefflichen Vorkämpfer der Freiheit auf religiösem und politischem Gebiete; mit nnverwelklichen Blumen schmückt sie das Bild des Mannes, in dem sich deutsches und jüdisches Wesen zur herrlichsten Harmonie verband. Die von ihm erstrebten Errungenschaften und geschaffenen Einrichtungen werden sich gewiß auch in Zukunft segensreich bewähren, das Meiste von dem, was er als begeisterter Seher gesprochen oder geschrieben, wird sich als eines jener Worte erweisen, „die nie verhallen, die wie ein Stein in tiefem Brunnen, nie ganz zu Boden niederfallen." Von dieser Überzeugung durchdrungen, erachten wir es nicht nur als eine Dankespflicht gegen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.