Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 mitgewirkt. Auch als gemütreicher Dichter und Schriftsteller hat sich der Verschiedene bewährt, unter anderem schrieb er eine Geschichte der hiesigen israelitischen Gemeinde." In der Reihe der deutschen Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses wird Emil Lehmann stets einen Ehrenplatz einnehmen, denn nur einem Manne von tadellosem Rufe und anerkanntem Edelsinn konnte es gelingen, in einem Lande, wo die Juden von jeher nur eine ganz verschwindende Minderheit bildeten und trotzdem bitter angefeindet wurden, einen Platz in der städtischen Verwaltung der Hauptstadt und in der Volksvertretung zu erhalten und lange Zeit hindurch zu behaupten. So mannhaft er für das Judentum einstand, wo dieses angegriffen wurde, hätte diese Stellung Lehmanns dennoch selbst gegen den Ansturm der Antisemiten noch weit länger behauptet werden können, wenn er, der mächtig angeschwolleneu konservativen Strömung Rechnung tragend, seine politische Überzeugung verleugnet und wie manche andere sich mehr nach rechts hätte drängen lassen. Dem Manne mit den festen Grundsätzen war dies unmöglich; er konnte nicht verleugnen, was ihn als Jüngling zur Zeit des deutschen Völkerfrühlings begeistert, was ihn zum deutschen Volksvertreter gemacht hatte, noch ehe es ein einiges Deutschland gab. Wohl wußte er, daß seiire Glaubensgenossen in ihm den letzten nicht-sozialdemokratischen Juden mit gerechtem Bedauern aus dem sächsischen Landtage scheiden sehen würden, aber er war nicht der Mann dazu, aus konfessionellen Rücksichten seinen politischen Grundsätzen untreu zu werden. Ans der politischen Arena durch die konservativ-antisemitische Strömung verdrängt, widmete er sich mit verdoppeltem Eifer allgemeinen humanen Bestrebungen, der von ihm geleiteten Verwaltung der Dresdner Religionsgemeinde und seiner Familie. Zu allen Zeiten hatte er in seinem Hause an der Seite seiner ihm geistig ebenbürtigen Gattin und im Kreise seiner Kinder die reinsten Freuden empfunden. Ihm war das seltene Glück zu Teil geworden, seine Jugendliebe zu erringen und der reiche Segen einer Liebesheirat ruhte auf seinem Ehebunde mit seiner Cousine Hermine, geborene Salomon, die sein ganzes Dasein erwärmte, an allem selbstlosen Handeln fördernd teilnahm, die er stets als Frauenideal und Krone ihres Gatten pries, die als mütterliche Wohlthäterin in der jüdischen Religionsgemeinde sich die allgemeine Verehrung erwarb. Als sie ihm nach langjähriger überaus glücklicher Ehe entrissen wurde, widmete er eine seiner besten Schriften „den Manen seiner teuren edlen Lebensgefährtin und Lebensführerin Hermine Lehlnann, geborne Salomo», der das Wohl der Gemeinde und ihrer Hilfsbedürftigen, so innig am Herzen lag." Was sie ihm selbst war, bewog ihn, ihr Gedächtnis auf' seinen eigenen Leichenstein durch die Worte verewigen zu lassen: „Seit sie von ihm geschieden, fand er nicht Ruh noch Frieden!" Wie an seiner Familie so hing sein Herz auch an der Dresdner Religionsgemeinde. Bereits am 27. März 1862 zum Gemeindedeputirten und am 9. Februar 1869 zum Gemeindevorsteher gewählt, hat er dieses Amt bis zu seinem