Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 166 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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166 in diesem Falle das Wort: „Und der Mann Mose warsehr bescheiden." Daß er aber auch wie der große Gesetzgeber im heiligen Zorn für den Glauben erglühen konnte, beweisen die scharfen Worte, mit welchem er in dem erwähnten denkwürdigen Sendschreiben das Überlänfertnm brandmarkte: „Und nun. hochverehrter Herr Professor, lassen sie sich auch sagen, warum ich und meine Glaubensgenossen, die gleich mir denken und fühlen, gleich mir Deutschland als ihr Vaterland verehren und kein anderes kennen, noch erstreben — dennoch sich nicht taufen lassen: I. weil der Übertritt von einer Religion zur anderen nur dann ehrenhaft und anständig ist, wenn der Übertretende von der überwiegenden Trefflichkeit der neuen Religion nicht nur, sondern auch von der Minderwertigkeit der alten überzeugt ist, 2. weil der Übertritt ohne solche Überzeugung frivol, heuchlerisch, feig, entwürdigend, meineidig, pietätlos und geschichtswidrig ist. insofern der Übertretende den geistigen und seelischen Zusammenhang mit seinen Ahnen und seinen Leidensgenossen löst." Das war auch den strenggläubigen Inden, welche seine reformjüdischen Grundsätze entschieden bekäinften, aus der Seele gesprochen. Deshalb schrieb ein jüdisches Blatt „strengster Observanz" nach seinem Tode: „Auch diejenigen, welche die Thätigkeit des Heimgegangenen nach innen als eine unheilvolle bekämpfen mußten, werden den Mut und die Hingebung, mit welcher er die Ehre der Judenheit nach außen, ihre bürgerliche und gesellschaftliche Stellung gegen antisemitische Angriffe verteidigte (so z. B. erst vor einigen Monaten in seinem „Offenen Brief an Prof. Paulsen") lobend anerkennen." Dieser „Offene Brief" war die letzte jener zahlreichen publizistischen Leistungen Lehmanns, welche in der „Allg. Ztg. des Judentums". Brülls „Monatsblättern" und der Monatsschrift „Im deutsche» Reich" veröffentlich wurden und nach den verschiedensten Seiten hin belehrend und aufklürend wirkten. Die Redaktion der Zeitschrift „Im deutschen Reich" dankte ihm die Anregung einer Veröffentlichung der Lebensbilder „deutscher Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses." In der von ihm verfaßten Einleitung verkündigte er, daß ihm dabei der Gedanke vorgeschwebt habe, an jene Zeiten zu erinnern, in welchen „das deutsche Volk die Eigenschaften deutsch und national nicht im Sinne der Gehässigkeit und Ausschließlichkeit, sondern in dem der Liebe und Gerechtigkeit auffaßte, da es nicht Phrasendrechslern, die unter Aufstachellung der Volksleidenschaften sich aufdrängen, Mandate übertrug, sondern tüchtigen, erprobten Männern, ohne Rücksicht auf Abstammung und Religionsbekenntnis." Und weil es ihm auch darum zu thun war, dankbar jene Volksvertretung zu preisen, die „für deutsches Leben opferwillig thätig, mit gleicher Treue am jüdischen Bekenntnis hingen", deshalb schrieb er für dassebe Organ jene treffliche Biographie Gabriel Riessers, die, als das Ergebnis eingehender Studien und von Begeisterung für diesen „Anwalt des Rechts" durchglüht, in weiten Kreisen Interesse erregte. Riesfer, welchen er das „verkörperte Ideal eines Deutschen jüdischen Bekenntnisses" nannte, war tatsächlich das Ideal, dem er beständig nachstrebte, in