Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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165 übereinstimmen, danach müssen alle gleichmäßig beurteilt werden. Die schlechten Handlungen einzelner Juden sind ebensowenig jüdisch, als die schlechten Handlungen einzelner Christen christlich. Undeutsch, unchristlich, wie unjüdisch ist's, dem Bekenntnis, der Gesammtheit zur Last zu legen, was der Einzelne verbrochen; undeutsch, nnchristlich, wie unjüdisch ist's, das übereinstimmende Sittengesetz beider Bekenntnisse zu leugnen und zu verhöhnen; undeutsch, unchristlich und unjüdisch ist's, zu wähnen, es seien die Angehörigen dieses oder jenes Bekenntnisses die allein Gerechten, die allein Berechtigten, die allein zu Schützenden." Bei solchen Grundsätzen konnte es nicht fehlen, daß die damit im vollständigsten Einklang stehenden Bestrebungen des am 5. Februar 1893 in Berlin begründeten Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, welcher ein neues Band um alle Juden Deutschlands schlang, die lebhaftesten Sympathien Emil Lehmanns erkvarben. Diese gab er bald darauf in einem Vortrage kund, in welchem er u. A. sagte: „Es gewährt bei aller Trübseligkeit der antisemitischen Zeiterscheinungen eine hohe Freude und eine innige Befriedigung, einen Kreis von Männern vereint zu sehen, der gleich entflammt ist von Liebe zum deutschen Vaterland, wie von Begeisterung für den sittlichen Wert des Judentums. Ich erblicke vor mir Männer, hvchangesehen im bürgerlichen Leben, Pfleger und Förderer der Wissenschaft, Namen von Klang und Ehren, die in treuer, fleißiger Arbeit in Amt und Beruf sich als Deutsche, als Staatsbürger bewährt und in ihrer Persönlichkeit den Beweis geführt haben von der harmonischen Durchdringung des Deutschtums und des Judentums. Ich wünsche Ihnen Glück zu diesem Verbände, zu dieser Vereinigung, die das Wort wahr macht: „Wir fordern nur Gerechtigkeit — treu deutsch und jüdisch allezeit!" Er durfte es sagen, denn er war selbst das edelste Vorbild eines deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens, oder wie er sich lieber ausdrückte „jüdischen Bekenntnisses". Als solcher hat er mit berechtigtem Selbstgefühle und stolzer Bescheidenheit wenige Wochen vor seinem Tode in einem den gefährlichsten „wissenschaftlichen Antisemitismus" abwehrenden „Offenen Brief an Friedrich Paulsen" geschrieben: „Ich stehe an der Grenze des Greisenalters und wenn ich zurückblicke, so weiß ich, seit ich selbständig denken kann, mich keiner Zeit zu erinnern, in der mein Denken und mein Wollen nicht vollständig nationatdeutsch — noch lange, ehe das von gewissen Seiten gestattet war — bezw. vaterländisch und auf die thätige Wirksamkeit sür das Gemeinwohl ohne Glaubensunterschied gerichtet gewesen wäre, ohne daß ich mein Judentum verleugnet und vergessen hätte. Ich sage das nicht aus Ruhmredigkeit, denn ich kenne die Grenzen meiner bescheidenen Wirksamkeit. Aber ich null betonen, daß hier das Sprichwort: „Richte niemand ohne genaue Kenntniß" sehr am Platze ist. Denn wie ich denke, fühle und handle, so denken, fühlen und handeln viele Tausende meiner Glaubensgenossen; in diesem Glauben haben sie gleich mir ihre Kinder erzogen." Auf diesen Vorkämpfer des Judentums paßt auch