Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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164 das Wollen wertvoll und verdienstlich; ein edler Wille leuchtete aber aus Allem hervor, was er im heißen Ringen nach Wahrheit und Freiheit that, sagte und schrieb. Deshalb stellt, was Emil Lehmann in schwungvoller Prosa oder in poetischer Form geschaffen und hinterlassen hat, wertvolle Urkunden für das Judentum in Deutschland dar. Ihm hinterließ er damit für den künftigen Tempel, dessen Errichtung in der jetzigen Zeit heftiger Kämpfe gegen äußere Feinde wenig gefördert werden kann, glattbehauene Bausteine, welche der Nachwelt nicht verloren gehen dürfen. Für unsere Zeit haben aber noch höbere Bedeutung jene lapidaren Werke, in welche der neuzeitliche Hiram Emil Lehmann mit Meisterhand die Worte „Deutsch und Jüdisch" eingrub. Sie künden leuchtend, daß dies keineswegs unvereinbare Begriffe seien, daß vielmehr der glaubenstreue Jude stets die größte Anhänglichkeit an sein Vaterland bekunden werde. Lehmann's langjähriger Freund, Berthold Auerbach, starb an gebrochenem Herzen, weil man das, was er durch sein Wesen und Wirken bewiesen zu haben glaubte, die harmonische Verbindung deutscher und jüdischer Vorzüge, zu bestreiten wagte. Empfand Emil Lehmann auch denselben Schmerz, so hielt ihn doch das felsenfeste Vertrauen auf den schließlichen Sieg der Humanität und Toleranz in Deutschland aufrecht und stählte ihn zn ausdauerndem Kampfe für diese Ideale. Als die deutschen Stämme sich noch nicht zu unserem Alldeutschland zusammengeschlossen hatten» war bereits in seinem Geiste der Gedanke der Vereinigung der jüdischen Geineiuden in Deutschland aufgetaucht. Dem „Deutschisraelitischen Gemeindebunde", dessen Begründung er anregte und unter Beihülfe seiner Freunde Nachod, Kohner, S. Kristeller, Ephraim Rothschild u. A. m. ermöglichte, hat er bis an sein Lebensende die opferfreudigste Mitarbeit gewidmet. Unvergessen ist es, daß er im Ausschuss« des Gemeindebundes, am 11. April 1880, im Hinblick auf den damaligen Beginn der judenfeindliche» Bewegung in Deutschland, seine Berichterstattung mit den tiefempfundenen Worten schloß: „So mahnen den» jene erneuten Angriffe die Juden zur Einkehr in sich, zur Besinnung auf sich, zur Hebung, Kräftigung und Läuterung ihrer religiösen Einrichtungen, zur Förderung dessen, was den Inden wie den Christen gemeinsam: des religiösen Sinnes, zur Prüfung der eigenen Schätze, zur Beschäftigung mit der jüdischen religionswissenschaftlichen und geschichtlichen Litteratur, um aus ihr Kraft und Mut und Überzeugung dafür zu schöpfen, daß das Judentum eine Religion sei, die ihre aufrichtigen Bekenner zur echten Menschenliebe, zur treuesten Pflichterfüllung leitet, daß der wahre Jude auch ein guter Mensch und ein braver Patriot ist." Dieselbe Gesinnung beseelte ihn, als er in einer Flugschrift „Schutz und Förderung jeder redlichen Arbeit" folgendes Programm aufstellte, welches jeder gute Mensch und brave Patriot zn dem seinen machen sollte: „Schutz und Förderung jeder redlichen Arbeit, ohne Unterschied des Bekenntnisses, Aechtung und Bestrafung jedes Lugs und Trugs, das ist die gesetzliche, die sittliche, die religiöse Forderung. Darin müssen alle Bekenntnisse