Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 die meine Phantasie beschäftigten, und ich konnte nicht glauben, daß dieses Volk das merkwürdigste Buch der Welt aus sich heransgeschrieben hat. Was sich allerdings in meiner frühesten Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war vielmehr nur Scheu vor dem Rätselhaften und vor dem in der Form so Unschönen. Die Verachtung, die sich wohl spüren ließ, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Frauen und Männer, als meine eigene Gesinnung. Erst später, als ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer des jüdischen Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferische Volk hege, und für den Dichter, der das Hohe Lied gesungen hat. Beide Bücher haben mich mannigfach erregt und beschäftigt." Die Zeit rückte heran, in der Goethe Karlsbad verlassen sollte. Herr von Lämel erbat sich ein Autograph von ihm und dies in einer eigentümlichen Form: „Erlauben Sie, Excellenz! daß ich ihnen znr Erinnerung an Böhmen einen echten Melniker Wein nach Weimar schicke, den Excellenz die Güte haben werden, eigenhändig als empfangen zu bestätigen. Das wird das Autograph für mich sein." Beide Männer schieden, sich die Hände drückend. Nach einigen Wochen erhielt Herr von Lämel folgende „Quittung. woniit der Unterzeichnete den Empfang von fünfzig Flaschen rothen Melniker Weines, der ihm besonders schmeckte und auch sein naturwissenschaftliches Interesse, als eine aus Burgund stammende Rebe, erweckte, dankbarst dem wohlwollenden Spender bestätigt. Goethe." Die geistvolle Tochter des Herrn von Lämel, Frau Elise Herz, die ihrem Vater in pietätvoller Liebe eine dessen Namen führende Lehranstalt in Jerusalem gründen ließ, bewahrte diese Quittung als kostbaren Schatz, nebst einem Briefe, den ihr der Vater, seine Begegnung mit Goethe ausführlich schildernd, geschrieben hat. Kin evangelischer Prediger vor fünfzig Jahren gegen den Judenhaß?) Ihr seid vielleicht, geliebte Freunde, mit meinen angeführten Gründen über den Ursprung des Judenhasses nicht völlig einverstanden. Ihr möchtet vielleicht sagen, die Grundsätze der jüdischen Religion hätten ihre Bekenner verhaßt gemacht. Darüber seid Ihr im Irrtum! Die Grundsätze der jüdischen Religion berechtigen Euch nicht, ihre Bekenner anzufeinden. Christus, war nicht gekommen, das Gesetz *) Gustav Porubßky- ..Der Judenhaß", eine Predigt, gehalten am 21. Mai 1948 in der evangelischen Kirche A. C. zu Wien. S. 9 f.