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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-07-01 · Heft 7 (1.7.1899) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 7 (1.7.1899)
Date
1899-07-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 KoeLHe und die Juden. Über seine hebräischen Sprachstudien berichtet Goethe selbst „in Dichtung und Wahrheit". Sein Prolog zum „Faust" ist ein Spiegelbild zur Einleitung des alttestamentarischen Laakoou: „Hiob". Seine Beschäftigung mit dem „Hohen Liede", wie seine Bewunderung dieser Liebesdichtung sind bekannt. Wie schön sind die Verse, die er dichtete auf: Moses' Leichnam. Über Moses' Leichnam stritten Selige mit Fluchdämonen; Lag er doch in ihrer Mitten, Kannten sie doch kein Verschonen. Greift der stets bewußte Meister Nochmals zum bewährten Stabe, Hämmert auf die Pustrichs-Geister, Engel brachten ihn zu Grabe. Der böhmische Edelmann Simon von Lämel befand sich gleichzeitig mit Goethe in Karlsbad und pflegte auf einer im Walde einsam situirten Bank auszuruhen. Goethe, der vorüber kam und müde sein mochte, gesellte sich grüßend zu ihin. Goethe fand an dem lebenserfahrenen Gespräche des feingeistigen Mannes, der in seiner Aussprache die jüdische Abkunft nicht verleugnen konnte, Gefallen. Sie fanden sich ohne Verabredung mehrere Tage hintereinander an derselben Stelle. „Erst jcht," äußerte nach wiederholter Begegnung Herr von Lämel, „weiß ich, daß ich die hohe Ehre habe, mit Sr. Excellenz dem Herrn Minister von Goethe zu sprechen." Dabei stand er auf und verneigte sich tief. „Ich bin der Banqnier Lämel ans Prag." Goethe erwiderte: „Eine ausnehmend merkwürdige Stadt," ohne auf die Vorstellungsscene einzugehen und sich niederlaßend. „Die Altneu-Synagoge," fuhr er fort, „ist ein interessanter gothischer Bau, nicht so uralt, wie er bezeichnet >vird, vielleicht nur aus dem zwölften Jahrhunderte stammend. Merkwürdig und malerisch zugleich ist der Friedhof mit seinen ehrwürdigen Monumenten! Er verdient gezeichnet und die Inschriften der Grabsteine erhalten zu werden. Im Laufe der Zeit geht so Denkwürdiges doch verloren". Ein jüdisches Thema war so angeklungen und Herr von Lämel sagte ohne Vermittlung: „Der Schiller, eure Excellenz, hat uns Juden mit seiner „Sendung Moses'" sehr weh gethan und gekränkt. Und wenn er ein richtiges Verständniß von der Sache gehabt hätte!" Goethe, ohne in eine Meinungsäußerung einzugehen, doch bei dem Thema verbleibend, äußerte: „Der Eindruck, den ich in früher Jugend in meiner Vaterstadt empfing, >var mir ein mehr erschreckender. Die Gestalten der engen und finsteren Judenstadt waren mir gar befremdliche und unverständliche Erscheinnugen,

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