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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-07-01 · Heft 7 (1.7.1899) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 7 (1.7.1899)
Date
1899-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 viele Denkmäler allegorischer Weisheit hinterlassen haben, die sie sich bei ihren Betrachtungen zum Muster nahmen"). Und auf einer andern Stelle: „Die Auslegung der heiligen Schrift bezweckt ihnen die Erforschung des tieferen Sinnes vermittelst der Allegorie. Denn die ganze Gesetzgebung scheint diesen Männern einem organischen Wesen ähnlich. Die wörtliche Auffassung vergleichen sie mit dem Leibe, mit der Seele aber den unter den Worten verborgen liegenden Sinn, wobei die vernünftige Seele anfängt in den Worten, wie in einem Spiegel zu schauen, indem sie die außerordentliche Erhabenheit der ihnen innewohnenden Gedanken kennen lernt und sich gewöhnt, die Symbole zu durchforschen und aufzuhellen, den nackten Inhalt denen, die dessen fähig sind, offen darznlegen, und so auf scheinbar unbedeutende Veranlassung hin, das Verborgene in dem Sichtbaren zu erkennen"). Von den Therapeuten wird also lobend hervorgehoben, daß sie das ganze Gesetz mit einem lebenden Wesen vergleichen, wobei sie die wörtliche Auffassung für den Leib, den in den Worten verborgenen Sinn aber für die Seele ansehen. Die Radicalen aber, welchen er eine Strafrede hält, belehrt Philo, man müsse den Wortsinn für den Leib, den geheimen Sinn aber für die Seele ansehen. Also genau dasselbe Bild hier wie dort, so daß es den Therapeuten entlehnt erscheint. Warum also werden die Therapeuten gepriesen, die Radicalen hingegen getadelt? Nun der Unterschied ist eben der: die Radikalen haben die Geringschätzung des Gesetzes zur Schau getragen; die Therapeuten hingegen haben keinerlei öffentliches Ärgerniß gegeben. Diese hellenistischen Bewegungen wurden aber auch auf palästinensischen Boden verpflanzt. Wir finden hier die den Therapeuten geistesverwandten Essener, welche aber wegen der Wahrung des Scheines der engen Zusammengehörigkeit mit dem Judentum unangefochten blieben. In dieselbe Gattung ist auch die „fromme" Gemeinde des vierten sibyllinischen Buches einzureihen, welche sich eine Zeitlang noch neben dem Christentum, unabhängig von demselben behauptete. Diese Gemeinde der „Frommen", welche ganz zweifellos eine hellenistische war, ist genau so wie die Essener auf dem Wege des Allegorisierens zu Verächtern des Tempel- und Opfercultus geworden. Sie hatte dafür, ebenfalls ähnlich wie die Essener, andere geistige Reinigungen eingeführt. So weit die Darstellung des Verfassers. Diese conservativen, wenn auch allegorisierenden hellenistischen Strömungen der jüdischen Diaspora, welche sich bis nach Palästina, dem Boden des strenggläubigen Nationaljudentumes fortpflanzten, bildeten später den conservativen Flügel des Christentums, das „conservative Judenchristentum", während aus den anderen der *) Philo De vita conterapl. M. II, 475. a) ibid. p. 475

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