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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-07-01 · Heft 7 (1.7.1899) · p. Seite 153

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 7 (1.7.1899)
Date
1899-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 Judenchristentum", während er bisher von der herrschenden Theologie als „paulinisches Heideuchristentnm" bezeichnet wurde. Es wird uns klar gezeigt, wie sich das ursprüngliche pharisäische Nationaljudeutum durch Verschmelzung seiner Lehren mit der griechischen Philosophie zu einem Universalismns herausbildet, auf dem das Christentum fußt, der sich aber schon im Judentume in zwei Strömungen sondert, und zwar in die conservative, die wohl das Gesetz allegorisirte, mit den herrschenden Anschauungen in Einklang brachte, aber an dem Buchstaben festhielt, während die radicale die Consequenzen ans der Allegorisirung des Gesetzes zog und das Cereuioincilgesetz gänzlich verwarf. So sehr es auch verlockend wäre der Beweisführung des Buches zu folgen, so müssen wir uns doch darauf beschränken, auf das Werk selbst zu verweisen, das trotz des massenhaft verarbeiteten Quellenmaterials auch für den Laien leicht faßlich ist. Nichtsdestoweniger können wir nicht umhin, zwei charakteristische das Dunkel der Sektenbildungen blitzartig erhellende Stellen aus Philo zu vergleichen. Die eine, wo er von den radikalen Antinomisten spricht, lautet: „Gott sagte zu Abraham: ich werde deinen Namen groß machen. Das verstehe ich dahin, daß, sowie es ein Vorzug ist, ehrbar und gut zu sein, so fördersam ist es, es auch zu scheinen. Wem Gott beides gewährt, nämlich tugendhaft zu sein und auch zu scheinen, der ist wahrhaft glücklich und ein Mann von wahrhaft gutenr Rufe. Denn wahrlich ein guter Ruf ist nicht gering zu achten. Ein solcher wird aber nur demjenigen zu Teil, der die nationalen Gesetze und Gebräuche hoch hält und nicht wagt, etwas daran zu ändern. Es gibt aber Leute, welche die geschriebenen Gesetze für Sinnbilder geistiger Lehren halten, letztere mit aller Sorgfalt aufsnchen, erstere aber verachten. Solche Leute kann ich nur tadeln. Denn sie sollten auf beides bedacht sein, auf Erkenntnis des verborgenen und Beobachtung des vffenliegenden Sinnes.Denn wenn wir nur den höher,, Sinn festhalten wollten, so müßten wir ja auch der Heiligung im Tempel und unzähligen anderen notwendigen Feierlichkeiten entsagen. Allein man muß den Wortsinn für den Leib, den geheimen Sinn für die Seele ansehen. Sowie man aber für den Körper, als die Behausung der Seele Sorge trägt, so muß man auch den Wortsinn der Gesetze achten. Denn nur wenn dieser beobachtet wird, kann man auch die geheime Wahrheit klar erkennen, davon nicht zu sprechen, daß man nur auf diese Weise dem Tadel der Menge entgehen kann.") Während also Philo mit den antinomistischen Radikalen, die das Ceremonialgesetz verwarfen, scharf zu Gericht geht, lobt er an einer andern Stelle die trotz ihrer allegvrisirenden Auffassung an dem Gesetze äußerlich festhaltenden Terapeuten, von denen es bei ihm heißt: „daß sie das mosaische Gesetz allegorisch auslegten, überzeugt, daß die Worte darin bloß Zeichen und Symbole geheimer Wahrheiten seien; ferner daß sie Schriften alter Weisen besaßen, welche letztere, als Gründer ihrer Sekte, ihnen *) De Migrat. Abr. M. I, 450.

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