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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-07-01 · Heft 7 (1.7.1899) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 7 (1.7.1899)
Date
1899-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 «ls ob Minim Christen (scilicet Judenchristen) wären hielt demgemäß einer scharfen Kritik nicht stand und entsprach auch nicht der traditionellen Auffassung der alten Rabbinen, die ohne jede Kenntnis von Kritik und Zeitgeschichte, aber auf Grund einer alten Tradition mit Minim die Gottesleugner bezeichnen, die Gott und sein Gesetz mißachten, während doch die ersten Christen äußerlich strenge an das Gesetz hielten, wenn sie ihm auch im Sinne der jüdisch alexandrinischen Schule nur eine allegorische Bedeutung beilegten. Christen konnten also, die im Talmud mit besonderem Haß verfolgten Minim nicht sein. Ein Vergleich von philonischen mit talmudischen Stellen zeigte aber, daß es im vorchristlichen Judentum zahlreiche radicale jüdische Sekten gab, welche, ausgehend von der allegorischen Schriftauslegung der jüdisch-allexandrinischen Schule, zur Mißachtung und schließlich zur Auflösung des jüdischen Ceremonialgesetzes gelangt sind, und welche ferner den weltschöpferischen Gott als einen inferioren tief unter dem obersten, nur von den Gnostikern erkannten Gott gestellt haben. Die talmudischen Stellen über „ Minim” deckten sich mit denjenigen von Philo über diese radicale Sekten, und die „Giljonim” des Talmud erwiesen sich mit Nichten als Evangelien, sie führten vielmehr direct auf die Spur des ophitischen Diagrammes, in welchem die Hauptlehren der Ophiten, der bedeutendsten gnostischen Sekte, verzeichnet waren, deren Kosmogenie und Theosophie (Merkaba) auch in die talmudischen Kreise, so sehr sie sich dagegen wehren mochten, eindrang, wenn sie auch nur als Geheimlehre behandelt wurde, die nur vor „Wissenden" tradirt werden durfte. Denn eine sehr alte Mischnah, deren Überlieferung zweifellos noch aus vorchristlicher Zeit stammt, lehrt: „Man darf die „Schöpfungsgeschichte" nicht vor zwei Hörern, die Merkaba nicht vor einem Hörer vortragen, es wäre denn, daß dieser ein Weiser ist, der selbständig forschen kann." Wie sehr man sich aber gegen die Gefahr des Überhandnehmens dieser Lehren stemmte, zeigt die Forschung dieser Stelle: „Wer über vier Dinge forscht, dem wäre besser nie geboren worden zu sein, nämlich: was oberhalb und was unterhalb, was vorher war und was nachher sein wird — und wer nicht die Ehre seines Schöpfers schont (also direct gegen die gnostische Anffassung des „weltschöpferischen" Gottes als eines inferioren,) dem wäre besser nicht geboren zu fein-1)" Durch Gegenüberstellung der bezüglichen Stellen aus Philo, dem Talmud und den nachmaligen christlichen Schriftstellern, welche die Gnostiker bekämpfen, zeigt sich deutlich mit fast zwingender Logik der innere und innige Zusammenhang dieser Strömungen der jüdischen Diaspora und der christlichen Zeit, und krystallisiren sich die einzelnen gnostischen Lehrmeinungen klar heraus. Die praecise Darstellung gibt - ein überzeugendes Bild von dem Einflüsse dieser radicalen Strömungen im Judentum auf die Entstehung des Christentumes und charakterisirt deutlich den radicalen Flügel des Christentums als „radicales *) Jerusch. Chagiga 11 b.

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