Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 mit all eurer Macht euere Stimmen zu erheben — aber ihr schwieget. So schwiegen nicht die Propheten in Israel als sie mit Gefahr ihres Lebens den Königen ihr Unrecht vor die Seele führten, als sie eintraten für die Verlassenen, für die Unterdrückten und Gerechtigkeit forderten im Namen des Herrn. Anstatt uns mit der Botschaft der Liebe zu beglücken, zeiget uns die Liebe selbst und unsere Gebete werden mit den enrigen vereint zum Himmel dringen. Herr Levinstein erblickt mit Recht in der Indifferenz die größte Gefahr, die dem Judentum droht, mit der eine erschreckende Unwissenheit in Bezug auf seine Lehre und Geschichte Hand in Hand geht, die bekämpft werden muß. Nie und nimmer, so lange wir denkende und empfindende Bekenner sind, werden wir dasselbe verleugnen oder gar verlassen. Kann ich hinaufschanen zu dem strahlenden Himmel, der mir in finsterer Nacht die Unermeßlichkeit, die unaussprechliche Schönheit und Erhabenheit alle? Geschaffenen offenbart, und dann hinabblickend auf die dunkle Erde mir sagen, daß ich, erfaßt vom Wesen der Gottheit, ein elender Sünder bin, weil ich nicht glauben» unmöglich glauben kann an die Göttlichkeit eines Erdgeborenen, der, wie edel auch immer seine Bestrebungen waren, so rein auch immer sein Leben dahinfloß, wie ich von den Elementen dieses vergehenden Planeten gebildet war und zn ihnen zurückkehrte. Nur ein Gott hat in dem Herzen Platz, nur ein Gott lebt und waltet da draußen im ewigen Geheimnis, zu ihm streben unsere heiligsten Empfindungen, sehnt sich der Geist, der von ihm stammt. Wir können auf die Ehren dieser Welt verzichten, aber wir können mit vollem Rechte das Bewußtsein in unserem Herzen tragen, daß ihre Völker durch uns gesegnet sind; wir brauchen ihre Auszeichnungen nicht, aber wir können uns sagen, daß selbst der Stammbaum der Casare, denen der gesammte Adel Europas Titel und Lehen verdankt, ihn nicht überschattet. Der Onosticisrnus in vorchristlicher Zeit. (Schluß.) Die im Talmud häufig vorkommenden Ausdrücke: „Minim" und „OHonirn" wurden von der modernen Talmudauslegung dahin erklärt: „Minim sind Christen und Giljonim sind Evangelien." Mit dieser Auslegung war aber der Weg für weitere historische Forschungen verrammelt. Eine eingehendere Beschäftigung mit dem philonischen und neutestamentlichen Schrifttum zeigte aber, daß in beiden derselbe» von dem pharisäischen verschiedene Geist herrsche, daß aber das pharisäische Judentum der von beiden vertretenen, immer noch vom Gesetze Mosis ausgehenden religiösen Richtung fremd und gleichgiltig gegenüberstand, so daß der Talmud im ersten Jahrhundert noch gar keine Notiz von ihr nimmt. Die moderne Talmudauslegung