Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 erhabensten, die je zu den Ohren der Menschheit drangen: „Ich bin der Ewige dein Gott" die Worte, die allen Trost und alle Hoffnung, alle Seligkeit und allen Frieden in sich schließen? Weshalb sollen wir uns taufen lassen? Schärft uns nicht unsere Lehre ein, recht und gut zu handeln vor Gott und vor Menschen, sagt sie uns nicht, daß wir unsere Nächsten, die alle im Bilde der Gottheit geschaffen, lieben sollen wie uns selbst? und nun zu den Juden gewendet sagt Herr Levinstein: Können, dürfen wir uns taufen lassen? da antwortet man wohl, wir selbst haben zwar kein Verlangen unseren Glauben anfzugeben, aber wir wollen unseren Kindern den Weg des Lebens ebnen, ihnen die Geschicke desselben leichter ertragen helfen. Welche schwere, welche drückende Verantwortung nehmen diese Eltern auf sich! Und haben sie selbst keinen Glauben, wer giebt ihnen das Recht, ans der Brust ihrer Kinder das teuerste Kleinod zu reißen, das zu bewahren und zu pflegen die erste Pflicht ihres Lebens hätte sein sollen? Wir lassen hier einige Stellen dieser äußerst zeitgemäßen Schrift folgen, die weithin durch die Kreise der Juden und Christen tönen sollten. Und ihr, die ihr allein um eurer selbst willen euch taufen läßt, die ihr eure Lippen dazu leiht, den Glauben eurer Väter abzuschwören, ihr glaubet ja in eurer überwältigenden Mehrheit nicht einen Augenblick, daß euere Religion schlecht sei, glaubet auch ganz gewiß nicht, daß der neue Glaube, zu dem ihr euch wendet, ein besserer sei. Ihr verläßt in schmählicher Feigheit euere Nächsten in ihrer Bedrängnis und flüchtet euch zu denen, die ihnen die Wunden geschlagen. Und wenn auch der Staat, anstatt euch mit der verdienten Verachtung zu bestrafen, den Lohn des Treubruches euch nicht vorenthält, die Stimme eures Gewissens und wöget ihr sie tausendmal übertönen wollen, sagt euch zuletzt doch, daß eurem ganzen Leben ein Mackel anhaftet, den alle Ehren dieser Welt nicht auslöschen können. Wenn etwas den wahren Adel der menschlichen Natur offenbart, so ist es das Bewußtsein, daß es schön und edel ist, mit den Gefährten unseres Unglücks bis zum letzten Atemzuge auszuhalten. Den christlichen Seelsorgern ruft er zu: Aber sagt nur wie können wir unS zu einem Evangelium bekehren, das für uns nur die Quelle unerhörter Leiden war, zu einer Religion, in deren Namen unser Stamm, dem die Welt ihren Gott, ihr euren Heiland verdankt, in blinder, jammervoller Wut von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt gehetzt wurde? Glaubt ihr wirklich, daß vor dem Throne der Barmherzigkeit die Seelen der armen Opfer, die für ihren Glauben, ihren Gott ihr Alles, ihr Leben Hingaben, zurückgewiesen würden, während die Seelen ihrer mitleidlosen Verfolger dort oben die Liebe empfangen, die sie hier unten nicht gezeigt? Es war euere Pflicht, es ist euere Pflicht im Namen eueres Evangeliums, im Namen der Gottheit, die in der Entwürdigung der Menschheit geschändet wird,